Auf dem Platz musst du sein wie ein Tier
Stuttgart. Der Amerikaner Nick Bollettieri ist der berühmteste Tenniscoach der Welt. In seiner Akademie in Florida werden seit 1978 Weltklassespieler herangezogen, Idole wie André Agassi und Maria Sharapova. Am Rande der US Open in New York sprachen wir mit der Trainerlegende über die Spielerinnen des Porsche Team Deutschland und den schwierigen Weg an die Weltspitze.
Herr Bollettieri, Sabine Lisicki trainiert bei Ihnen in Bradenton. Was haben Sie ihr nach ihrer Erstrundenniederlage bei den US Open gesagt?
„Ich habe sie nach dem Match nicht getroffen. Wenn sie zu mir zum Training kommt, werde ich ihr sagen, dass sie ihren Aufschlag verbessern muss. Das sage ich ihr immer. Sie ist eine großartige Spielerin, die kämpft und nie aufgibt, aber ohne einen richtig guten Aufschlag tut sie sich schwer. Auch körperlich muss sie einfach noch stärker werden.“
Was sagen Sie zum neuen deutschen Fräuleinwunder im Damentennis?
„Ich bin sicher, das ist erst der Anfang. Die Kinder und Jugendlichen, die Tennis spielen, brauchen Vorbilder, denen sie nacheifern können. Diese Vorbilder sind jetzt da, mit Spielerinnen wie Angelique Kerber, Andrea Petkovic und auch Sabine Lisicki. Deshalb bin ich davon überzeugt, dass da, bei einer entsprechenden Förderung, in den nächsten Jahren noch einige hoffnungsvolle Spielerinnen nachkommen werden.“
Wer ist für Sie die beste Deutsche?
„Im Moment ist das sicherlich Angelique Kerber. Sie hat alles. An einem guten Tag kann sie jede Gegnerin schlagen. Das weiß sie, und das ist wichtig. Durch die Erfolge der letzten Zeit hat sie ein enormes Selbstvertrauen. Sie geht auf den Platz und macht ihr Ding, ganz egal, wer auf der anderen Seite steht. Das ist genau das, was die großen Spielerinnen so stark macht. Wenn sie noch lernt, in den entscheidenden Situationen die wichtigen Punkte zu machen, dann kann sie auch die ganz großen Matches und irgendwann sicherlich auch ein Grand-Slam-Turnier gewinnen.“
Wie schwer wird es Ihrer Einschätzung nach für Andrea Petkovic, nach der langen Pause zu ihrer alten Stärke zurück zu finden?
„Sie hatte schwere Verletzungen und ist immer wieder zurück gekommen. Ob und wie schnell sie es nach dieser langen Pause wieder in die Top 10 schafft, hängt auch davon ab, wie sehr sie das selbst will und wie sie mental damit fertig wird, dass das unter Umständen noch eine ganze Weile dauern wird. Sie denkt ja sehr viel nach, manchmal, habe ich mir sagen lassen, vielleicht etwas zu viel. Das muss sie ausblenden, wenn sie auf den Platz geht. Sie wird vermutlich noch eine Zeit lang Spiele verlieren, die sie vor einem Jahr nicht verloren hätte. Für eine so ehrgeizige Spielerin ist das keine einfache Situation.“
Julia Görges?
„Ich kenne sie nicht sehr gut. Sie erscheint mir aber sehr wechselhaft zu sein. Man kann schon mal auch gegen eine Qualifikantin verlieren, doch bei einem Grand-Slam-Turnier sollte das nicht passieren. Manchmal habe ich den Eindruck, sie ist nicht hart genug zu sich selbst.“
Sind junge Spielerinnen heute vielleicht zu schnell zufrieden, weil sie auch viel Geld verdienen können, ohne sich jeden Tag quälen zu müssen?
„Das sehe ich nicht so. Wer viel Geld verdienen will, muss sich quälen. Wer nicht in den Top 50 der Welt ist, verdient mit Tennis kein Geld, der zahlt drauf. Die Zeiten einer Steffi Graf oder eines Boris Becker und André Agassi, die mit 17 Jahren schon sehr viel Geld verdient haben, sind vorbei. Das dauert heute alles sehr viel länger.“
Wie schwer ist es für junge Talente, ganz nach oben zu kommen?
„Der Weg ist hart. Aber noch schwieriger ist es, an der Spitze zu bleiben. Das ist ein einziger harter Kampf. Wenn du oben stehst, wollen alle gegen dich gewinnen. Sie lauern nur darauf, dass du Schwächen zeigst. Du musst jeden Tag besser werden, weil auch sie jeden Tag besser werden. Nur dann kannst du es schaffen.“
Auf was kommt es vor allem an?
„Auf dem Platz musst du sein wie ein Tier. Das geht nur mit Fitness und Selbstvertrauen. Wenn du fit bist, bist du konzentrierter. Du machst weniger Fehler und bist dadurch erfolgreicher. Fitness und Selbstvertrauen sind so wichtig wie eine gute Vorhand.“
Quelle Porsche AG
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Category: Sport






