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Brabbler

Sie sollten agile Prozesse aufsetzen und sie auch wirklich leben

Brabbler: Eine digitale Welt, in der Privatsphäre und Vertraulichkeit Realität sind

Stellen Sie sich und das Startup Brabbler doch kurz unseren Lesern vor!
Mein Name ist Eric Dolatre und ich habe Ende der Neunzigerjahre gemeinsam mit Karsten Schramm und Peter Köhnkow den E-Mail-Dienst GMX gegründet. 2015 haben wir drei zusammen mit Jörg Sellmann in München das Startup Brabbler ins Leben gerufen. Dort arbeiten heute 70 Mitarbeiter aus über 20 Nationen mit großer Leidenschaft und viel Pioniergeist an der Verwirklichung unserer Vision: eine digitale Welt, in der Privatsphäre und Vertraulichkeit Realität sind. Wir entwickeln eine Plattform, die eine sichere und vertrauliche Kommunikation auf komfortable Weise gewährleistet und eine europäische Alternative zu den datensammelnden US-amerikanischen Großkonzernen darstellt.

Wie ist die Idee zu Brabbler entstanden und wie haben Sie sich als Gründerteam zusammengefunden?
Die Idee ist aus unseren eigenen Erfahrungen als User heraus entstanden. Wir waren genervt von den vielen verschiedenen Apps, die man braucht, um mit seinen Freunden, seiner Familie und den Geschäftspartnern zu kommunizieren und sich zu organisieren. Außerdem fühlten wir uns ständig beobachtet und analysiert. Die ganzen kostenlosen, meist US-amerikanischen Kommunikationsdienste sind ja nur vermeintlich kostenlos. In Wahrheit bezahlt man sie ziemlich teuer – nämlich mit dem Verlust seiner Privatsphäre, da sie umfassende Profil- und Nutzungsdaten erheben und weiß Gott was damit anstellen. Teilweise verzichtet man ja sogar auf die Urheberrechte an den Dateien, die man austauscht; und die Vorstellung, dass etwa mit Fotos meiner Kinder Schindluder getrieben wird, war unerträglich. Vergleichbar ist das in meinen Augen mit Radioaktivität. Was man nicht sieht oder riecht, kann ja nicht schädlich sein. Du liebe Güte! Wir sind uns sicher, dass es sehr, sehr vielen Leuten hier in Europa genauso geht wie uns.

Groß zusammenfinden mussten wir uns nicht mehr. Karsten, Peter und ich sind seit den Zeiten von GMX enge Freunde. Wir haben uns 15 Jahre lang jede Woche zum Mittagessen getroffen, viel diskutiert, und kamen irgendwann an den Punkt, an dem wir sagten: Das machen wir jetzt! Damit aus unserer Idee ein funktionierendes Geschäft werden kann, brauchten wir noch einen Finanzexperten. Und den holten wir mit Jörg Sellmann an Bord, einem langjährigen Freund von mir.

Von der Idee bis zum Start: Was waren bis jetzt die größten Herausforderungen und wie haben Sie sich finanziert?
Eine der größten Herausforderungen war sicherlich der Technical Proof of Concept, also der Nachweis, dass sich unser Vorhaben technisch überhaupt realisieren lässt. Außerdem mussten wir erst mal herausfinden, ob wir überhaupt noch jeden Tag gemeinsam ins Büro gehen wollen. Dazu haben wir uns in Unterhaching südlich von München ein Dachboden-Apartment gemietet, in guter alter Tradition einen Kicker in Position gebracht, das Konzept für unsere Plattform entwickelt und festgestellt, dass es immer noch sehr gut klappt mit uns.

Finanziert haben wir uns zunächst durch eigenes Geld und Investitionen von Familienmitgliedern und Freunden. Vor Kurzem ist das Family Office des Media-Markt-Mitbegründers Leopold Stiefel aus Ingolstadt mit einer Summe von 15 Millionen Euro als neuer Ankerinvestor bei uns eingestiegen. Die Stiefels teilen unsere Vision zu einhundert Prozent und unterstützen unser Projekt deshalb nicht nur monetär, sondern auch mit ihrem Herzblut.

Wer ist die Zielgruppe von Brabbler?
Wir haben zwei Zielgruppen: Privatpersonen und Unternehmen. Bei den Privatpersonen richten wir uns an Menschen, die ihr Leben komfortabel mit digitalen Tools organisieren möchten, dabei aber genauso viel Wert auf ihre Privatsphäre legen wie in der realen Welt. Wir sprechen sie mit unserer Lösung generationenübergreifend an, da beispielsweise ganze Familien ihre digitale Kommunikation von Nachrichten über Termine bis zum Austausch von Fotos künftig damit abwickeln können. Das Gleiche gilt für Unternehmen. Ihnen bieten wir eine Kommunikationslösung, bei der sie sicher sein können, einhundert Prozent vertraulich zu kommunizieren, zu kollaborieren und Daten auszutauschen – intern wie extern. Absolut niemand außer ihnen selbst hat Zugriff auf die Inhalte; selbst wir als Anbieter nicht.

Wie funktioniert Ihr Produkt?
Unsere Plattform mit dem Namen „ginlo“ – ein Anagramm von „Login“ – befindet sich derzeit in der Betaphase. Aktuell integriert ginlo die täglich genutzten Kommunikationsanwendungen Messaging und E-Mail sowie ein Adressbuch, einen Passwort-Manager und einen Passwort-Generator in einer einzigen Lösung, die es für Android und iOS gibt. Dank Synchronisierung in Echtzeit können die Anwender jederzeit die Endgeräte wechseln und auf jedem davon gleichermaßen auf ihre Inhalte zugreifen. Für den Fall eines Endgerätedefekts steht ein Backup bereit, mit dem sich die Inhalte auf einem neuen Gerät ganz einfach wiederherstellen lassen. Sämtliche Inhalte inklusive Backup sind durchgängig verschlüsselt und ohne technisches Know-how einfach nutzbar. Auf Basis dieser innovativen Technologie steht Privatpersonen eine komfortable multifunktionale App zur Verfügung, die ihnen einen geschützten Datenraum bietet und damit echte Privatsphäre ermöglicht. Unternehmen erhalten eine administrierbare IT-Lösung, die ihren Mitarbeiter eine hundertprozentig vertrauliche und effiziente Kommunikation erlaubt.

Das alles ist aber nur der anfängliche Produktstatus. Wir planen, noch weitaus mehr Funktionalitäten in den sicheren Kosmos von ginlo zu integrieren und vor allem Funktionalitäten untereinander zu verknüpfen. Damit werden wir die tägliche Organisation, die wir mit digitalen Helfern meistern, noch um Vieles einfacher gestalten.

Was unterscheidet Sie von anderen Anbietern?
Der geplante Leistungsumfang und natürlich unser Geschäftsmodell. Für uns gilt auch in der digitalisierten Konsumwelt das Prinzip „Leistung gegen Geld“. Wir finanzieren unsere Lösung für Privatpersonen durch ein kostenpflichtiges Abomodell ohne Sternchentext und schaffen damit die Grundvoraussetzung für digitale Privatsphäre. Da die Nutzer die Lösung mit Geld bezahlen, müssen sie es eben nicht mit ihren privaten Daten tun – und deshalb gibt es bei uns garantiert kein Tracking, kein Profiling und keine Werbung.

Bei den Unternehmenskunden unterscheiden wir uns von den anderen Anbietern vor allem durch unsere Software „made and hosted in Germany“. Unsere Lösung wird ausschließlich in Deutschland gehostet, unterliegt damit dem strengen deutschen Datenschutz, und der Zugriff auf sämtliche Inhalte ist allein den Unternehmen beziehungsweise deren Nutzern möglich.

Brabbler, wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?
Wir möchten den Menschen die Möglichkeit geben, sich selbstbestimmt in unserer digitalisierten Welt zu bewegen. Jeder soll moderne Technologie bedenkenlos nutzen können, ohne Angst vor Nebenwirkungen haben zu müssen. In fünf Jahren haben wir hoffentlich die Welt der digitalen Kommunikation komplett revolutioniert.

Zum Schluss: Welche drei Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?
Sie sollten agile Prozesse aufsetzen und sie auch wirklich leben. Dazu gehört es beispielsweise, sich jeden Tag einen kurzen Überblick über sämtliche Bereiche zu verschaffen. Wichtig ist außerdem der richtige Mix aus erfahrenen Professionals und hungrigen Einsteigern, die mit gutem Teamwork eng zusammenarbeiten. Und auch, wenn es eine Binsenweisheit ist, können wir sie nur bestätigen: Lachen hilft. Immer.

Foto: MARION HOGL

Weitere Informationen finden Sie hier

Wir bedanken uns bei Eric Dolatre für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

About Sabine Elsaesser

Sabine Elsässer ist seit 2008 Leitende Redakteurin des UNITEDNETWORKER. Seit Anfang der 1990ern bis zum Jahre 2007 hat Sie mit Ihrem Mann Markus Elsässer für verschieden Direct Selling Unternehmen große Internationale Vertriebsorganisationen aufgebaut. Seit einigen Jahren schlägt Ihr Herz für die Startup und Crowdfunding Szene, die Sie nicht nur durch die Magazine sondern auch als Investor und Mentor unterstützt.

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