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Bugfoundation Insekten als Nahrungsmittel

Stellen Sie sich und Ihr Startup Unternehmen doch kurz vor
Baris/Bugfoundation: Moin Moin, Baris.
Max/Bugfoundation: Moin Moin, ich bin Max und habe mit Baris gemeinsam die „Bugfoundation“ gegründet. Wir haben unser Start-up im Februar 2014 begonnen und arbeiten seitdem daran, Nahrungsmittel aus Insekten zu entwickeln und europaweit zu vermarkten. Die rechtlichen und gesellschaftlichen Hürden sind zwar groß, aber das Potential der neuartigen Produkte schätzen wir als noch größer ein. Insekten haben gegenüber „normalem“ Fleisch gravierende ökologische Vorteile, sind gesünder und haben geschmacklich eine Menge zu bieten. Wir haben das Rezept unseres „Bux Burger“-s zusammen mit dem Deutschen Institut für Lebensmitteltechnik e.V. entwickelt und im Juli 2015 unseren Markteintritt in Belgien gefeiert. Deutsche Konsumenten müssen sich wegen rechtlicher Hürden leider noch bis 2016 gedulden, um in den Genuss unserer Produkte zu kommen. Mit Playmobil An- und Verkauf haben Baris und ich unser erstes Business in der 9. Klasse begonnen und sind seitdem dauerhafte Geschäftspartner (vier Unternehmen) und beste Freunde. Baris ist unser Experte für kreative Marketingstrategien und Projektplanung. Ich würde ihn als kreativen Kopf und Motivator mit chronisch guter Laune charakterisieren.
Baris: Gut gelaunt ist Max aber auch immer. Er hat in jeder Abteilung seine Finger im Spiel, seinen Perfektionismus immer im Nacken und arbeitet größtenteils aus der Bremer Zweigstelle. Stärken: Business Development, brillanter Texter. Neben uns Beiden agiert noch unser Team im Hintergrund. Es ist jung und extrem motiviert, liebt das Produkt und ist fest davon überzeugt den europäischen Markt erobern zu können.

Wie ist die Idee zu Bugfoundation entstanden und wie haben Sie sich als Gründerteam zusammengefunden?
Baris: Während einer einjährigen gemeinsamen Reise im Jahr 2011 stolperte Max in Asien über frittierte Heuschrecken und veröffentlichte zwei Jahre später seine Bachelorarbeit über die Vorteile von Insekten als Nahrungsmittel. Im Anschluss an die Bachelorarbeit wurde nach ein bis zwei Bier beschlossen eine Geschäftsidee daraus zu entwickeln und diese in die Tat umzusetzen.
Max: Wir kennen uns schon seit über 15 Jahren und sind bereits über acht Jahre gemeinsam unternehmerisch aktiv. Daher war klar, dass wir auch das Insektenbusiness zusammen angehen würden. Wir verfügen zusammen über einen langjährigen unternehmerischen Erfahrungsschatz, der vor allem im Bereich des Marketings große Stärken aufweist.

Von der Idee bis zum Start was waren die größten Herausforderungen und wie haben Sie sich finanziert?
Als Gründer ist ja eigentlich der Start das schwierigste: Wo fängt man an, wenn ein endloser Berg von „To do’s“ vor einem liegt? Die Lösung war einfach: Erstmal starten. Nach der Einarbeitungsphase entwickelte sich mehr und mehr Struktur und das Projekt nahm eine starke Eigendynamik an. Eine der größten Herausforderungen war die Informationsbeschaffung: Da es in Bezug auf Insekten als Lebensmittel bisher noch keine rechtlichen Rahmenbedingungen gibt, war die Auseinandersetzung mit den Behörden sehr zäh. Es wurde wochenlang auf Stellungnahmen der Bundesbehörden gewartet, die dann so schwammig formuliert waren, dass sie eigentlich kaum verwertbare Aussagen beinhalteten. Vor allem aufgrund des großen Nachhaltigkeitspotentials hatten wir aber auch sehr viel Rückenwind: Wir haben eine zweimalige Förderung durch FOOD FUTURE (INTERREG – Europäischer Fonds für Regionale Entwicklung der Europäischen Union) bekommen, was bei der Finanzierung half.

Wer ist die Zielgruppe von Bugfoundation?
Alle Menschen, die gesunde, nachhaltige, moralisch vertretbare Produkte mögen. Und ja,natürlich schmeckt es!

Bux BurgerWoher kommen die Insekten?
Die Buffalo-Würmer werden von der niederländischen Firma „Kreca“ aus Ermelo speziell für den menschlichen Verzehr gezüchtet.

Was unterscheidet Insekten von anderem Fleisch? Was sind die Vorteile?
Max: Nahrungsmittel aus Buffalo-Würmern bieten aus Konsumenten- und Produzentensicht gegenüber alternativen, tierischen Nahrungsmitteln viele Vorteile: Die Zucht und Produktion verbraucht bis zu zwölfmal weniger Futter als die äquivalente Menge Rindfleisch. Hierdurch wird zum einen der Wasser- und Flächenverbrauch drastisch verringert und zum anderen bei der gleichen erzeugten Proteinmenge nur etwa ein Hundertstel der Treibhausgasmenge emittiert. Zudem übertreffen Nahrungsmittel aus Buffalo-Würmern vergleichbare Nahrungsmittel aus Fisch und Fleisch in ihrer Nährstoffbilanz: Sie sind sehr proteinreich, verfügen über ein hohes Maß an Vitaminen, Mineralstoffen und mehrfach ungesättigten Fettsäuren. Buffalo-Würmer sind zusammengefasst eine nachhaltige, gesunde und schmackhafte Alternative zu Fleisch- und Fischprodukten.

Werden Insekten bald zum normalen Speiseplan gehören?
Baris: Weltweit werden bereits über 2500 verschiedene Insektenarten von mehr als 2 Milliarden Menschen als Nahrungsmittel verzehrt. Laut FAO und der kürzlich veröffentlichten Zukunftsstudie von Nestlé besteht für die westliche Welt ein ungeheures Marktpotential. Dieses Potential wollen wir – aufgrund der rechtlichen Lage in Deutschland – zunächst in Belgien und den Niederlanden nutzen. Eine Vermarktung in Deutschland ist bereits in
Vorbereitung und wird nach der Novellierung der Novel-Food-Verordnung – die 2016 erwartet wird – entsprechend umgesetzt. Wir glauben fest daran, dass sich Insekten in den nächsten Jahren zu einem selbstverständlichen Nahrungsmittel entwickeln werden.

Wo kann man den Burger von Bugfoundation probieren?
Max: Erste Abnehmer sind seit Anfang Juli mehrere Burgerrestaurants in Brüssel. Zum Beispiel das „Six Nations Pub & Restaurant“, das „B34 Steak & Burger House“. Mit einer Burgerkette sind wir im Gespräch, aber dazu können wir leider noch nicht mehr sagen. Ab Mitte August kann der „Bux Burger“ in den genannten Restaurants verköstigt werden. Schon in September kommen weitere dazu.

Bugfoundation, wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?
Baris: Nachdem die kleineren „Testmärkte“ Belgien und die Niederlande mit den Produkten der
Bugfoundation besetzt sind, wird bis 2016 mit der Überarbeitung der Novel-Food-Verordnung der europaweite Vertrieb angestoßen. Vor der Gesetzesänderung haben wir uns bereits ein solides Produktions-, Logistik- und Vertriebsnetz aufgebaut, um rapide steigende Nachfrage auf den Punkt beliefern zu können. Bis 2020 soll Bugfoundation europaweiter Marktführer als Anbieter von insektenbasierten Lebensmitteln werden. Die Marke Bugfoundation soll im Gedächtnis der Konsumenten untrennbar mit hochqualitativen, insektenbasierten Nahrungsmitteln in Verbindung stehen und über ein breites Portfolio an funktionellen Nahrungsmitteln unter der gleichen Corporate Identity verfügen.
Max: Neben den Produkten im Lebensmitteleinzelhandel soll Bugfoundation bis 2020 zudem über ein europaweites Netz systemgastronomischer Restaurants nach dem Fast-Casual-Prinzip verfügen.

Zum Schluss: Welche Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?
Baris: Noch haben wir unser Ziel nicht erreicht und daher ist es vielleicht zu früh anderen Gründern Tipps zu geben. Meine Herangehensweise wäre:
Arbeite 24/7. Nicht!
Gönn dir ab und zu eine Auszeit, reflektiere deine Arbeit und starte mit neuer Energie und frischen Ideen durch. Behalte immer dein Ziel vor Augen und scheue dich nicht vor Planänderungen.
Max: Bewusste Auszeiten (ohne Emails!) finde ich auch sehr wichtig. Außerdem: Immer auf das Wesentliche konzentrieren. Es gibt viele Dinge, die zwar irgendwie wichtig sind, aber das Kerngeschäft nicht wirklich voranbringen. Gerade am Anfang sollte man einen sehr direkten Weg zum Proof of Concept anstreben.

Weitere Informationen finden Sie hier

Wir bedanken uns bei Baris und Max für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

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About Sabine Elsaesser

Sabine Elsässer ist seit 2008 Leitende Redakteurin des UNITEDNETWORKER. Seit Anfang der 1990ern bis zum Jahre 2007 hat Sie mit Ihrem Mann Markus Elsässer für verschieden Direct Selling Unternehmen große Internationale Vertriebsorganisationen aufgebaut. Seit einigen Jahren schlägt Ihr Herz für die Startup und Crowdfunding Szene, die Sie nicht nur durch die Magazine sondern auch als Investor und Mentor unterstützt.

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