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Favendo Komplettlösung für den stationären Handel

Richard Lemke Geschäftsführer von Favendo im Interview

Wie ist die Idee zu Favendo entstanden, wann wurde die Firma gegründet und wie haben Sie sich als Gründerteam zusammengefunden?
Richard Lemke/ Favendo : 2011 habe ich die Fewclicks GmbH gegründet, die sich vor allem mit eCommerce beschäftigt und mehrere eigene Online-Shops betreibt. Nach Stationen in Frankfurt und Berlin bin ich mit meinem Team dann 2013 aus strategischen Gesichtspunkten in das eher beschauliche Bamberg gegangen. Im selben Jahr wurden von Apple die iBeacons eingeführt, die auf Bluetooth Low Energy basieren. Diese Technologie ist die Grundlage der Geschäftsidee der Favendo GmbH , die im Mai 2014 gegründet wurde und als Kooperation das Knowhow von vier etablierten Unternehmen, u.a. der Fewclicks eCommerce GmbH, bündelte. Alle Unternehmen haben jeweils unterschiedliche Schwerpunkte in den Bereichen App-Entwicklung, Bluetooth, E-Commerce und Hardwareproduktion. Und in diesen Unternehmen wurde sich bereits seit Frühjahr 2013 mit der Beacon-Technologie beschäftigt.

Bluetooth ist natürlich eine Technologie, die es schon länger gab. Das Problem war jedoch, dass diese Technik sehr viel Strom benötigt hat und die Smartphones dementsprechend schnell entladen waren. Die Entwicklung von Bluetooth Low Energy änderte die Vorzeichen für uns komplett. Wir haben also das Signal und die Beacon-Technologie nicht erfunden, aber uns sehr frühzeitig damit beschäftigt und nutzen es für unsere innovativen Navigations- und Proximity-Lösungen. Favendo ist in diesem Bereich etwas über 12 Monaten aktiv. Inzwischen sind wir 45 Köpfe und ein europäischer Marktführer der Beacon-Technologie.

Von der Idee bis zum Start was waren die größten Herausforderungen und wie haben Sie sich finanziert?
Richard Lemke/ Favendo : Die größte Herausforderung war, dass wir ein technisches Produkt anbieten, das komplett neu war. Und wenn man nicht auf einem bestehenden System aufbauen kann, muss man zuerst einen Technology-Stack entwickeln und mit sehr viel Strukturierungs- und Entwicklungsarbeit in Vorleistung gehen. Finanziert wurde das von den Mutterfirmen Fewclicks und Match2blue. Erst in einem zweiten Schritt, als das Produkt kurz vor der Marktreife stand, haben wir in zwei Runden Kapital von Business Angels eingeholt.

Richard Lemke Favendo
Richard Lemke Favendo

Welche Wege gehen Sie, um Ihr Startup-Unternehmen am Markt zu etablieren? Welche Rolle spielen Social Medias?
Richard Lemke/ Favendo : Grundsätzlich ist es für uns am wichtigsten gewesen, laufende Installationen am Markt zu positionieren. Wenn man es einmal geschafft hat, solche Installationen zu haben, fällt es natürlich viel einfacher vertrieblich weiter zu kommen. Social Media & Co erreichen primär B2C-Kunden. Dadurch, dass wir ein B2B-Produkt anbieten, ist es eher nicht so erheblich als Vertriebsinstrument. Für uns sind Social Media wichtig, um uns für potentielle Mitarbeiter als attraktives Unternehmen darzustellen mit dem Ziel, die Mitarbeiterzahl zu steigern.

Sie sind eines der Startup Unternehmen, die es in das Förderprogramm German Accelerator geschafft haben. Wie geht es jetzt weiter und wie wichtig ist die Aufnahme in das Programm für die Expansion von Favendo?
Richard Lemke/ Favendo : Der German Accelarator ist für uns aus unterschiedlichen Gründen sehr wichtig. Wir werden in New York für drei bis sechs Monate ein Office eröffnen, das primär damit beschäftigt sein wird, den amerikanischen Markt bezüglich Konkurrenten zu analysieren und erste Installationen auf dem amerikanischen Markt zu tätigen. Dazu muss man sagen, dass sich in vieler Hinsicht gezeigt hat, dass Apps, die in Europa gut funktioniert haben nicht unbedingt auch in den USA gut ankommen. Deswegen wollen wir da eine ganz klare Analyse fahren, wie Apps für den amerikanischen Markt aufgebaut sein müssen.

Für diejenigen die es zum ersten Mal hören können Sie uns die Beacon Technologie kurz erklären?
Richard Lemke/ Favendo : Beacons sind kleine Sender, die auf Bluetooth Low Energy basieren. Mit ihnen können Smartphones in Gebäuden bei einer Reichweite von bis zu 100 Metern geortet werden und Informationen auf die Smartphones übermittelt werden. Diese Möglichkeit nutzt Favendo, um den Nutzern ein ganz neues Einkaufserlebnis zu schaffen. Unser System ist besonders interessant in Kaufhäusern und Einkaufszentren, weil neben der Navigation auch Angebote und besondere Aktionen eingespielt sowie mobile Payment Lösungen und gamification Elemente integriert werden können.
Aber auch an Verkehrsknotenpunkten wie Flughäfen oder Bahnhöfen, wo auch die Zeit eine große Rolle spielt. Hier zeigt unsere App an, wo man sich befindet, wie lange man am Gepäckband oder an der Sicherheitskontrolle warten muss und wie weit der Weg zum Terminal ist.

Wie funktioniert Favendo?
Richard Lemke/ Favendo : Als Unternehmen lebt Favendo von der Kreativität der Mitarbeiter. Das hat auch Einfluss darauf, wie und wer bei uns arbeitet. Einfachstes Beispiel, das von außen zu erkennen ist: bei uns gibt es keine festen Arbeitszeiten. Wir arbeiten hier nach unterschiedlichen Prozessen wie Scrum. Das wichtigste ist aber, dass wir flache Hierarchien haben und auf Augenhöhe über die Produktweiterentwicklung und technische Herausforderungen sprechen können.

Favendo wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?
Richard Lemke/ Favendo : Wir werden sehen müssen, wie sich das Thema Location Based Services grundsätzlich in Europa entwickelt. Meiner Meinung nach wird es aufgrund der unterschiedlichen Auffassungen zum Datenschutz eineTrennung zwischen dem amerikanischen und dem europäischen Markt geben. Ich gehe aber davon aus, dass Favendo in Europa innerhalb der nächsten fünf Jahre eine Vielzahl von Installationen an strategisch wichtigen Infrastrukturpunkten haben wird. Derzeit deutet nichts darauf hin, dass die Beacon-Technologie sich in den nächsten fünf Jahren überholen wird. Aber wir verstehen uns als Unternehmen, das Location Based Services macht. Die Technologie, die wir dafür verwenden ist im Grunde unerheblich. Wir arbeiten jetzt schon mit allen gängigen technischen Möglichkeiten, und wenn es Weiterentwicklungen geben wird, werden wir die auch in unsere Lösungen mit einbeziehen.

Zum Schluss: Welche Tipps haben Sie für angehende Gründer?
Richard Lemke/ Favendo : Mit das wichtigste ist es, ein Team zu haben, auf das man sich verlassen kann, und das interdisziplinär aufgestellt ist, einfach damit man unterschiedliche Blickwinkel auf die unterschiedlichen Problemstellungen hat. Das Zweite ist, dass man ein gutes Netzwerk aufbaut, das einen unterstützt. Denn viele Probleme, vor die man gestellt wird, hat jedes andere Startup auch schon durchlebt. Deshalb ist da die Kommunikation und der Austausch mit anderen Gründern extrem sinnvoll, damit nicht alle Startup-Unternehmen die gleichen Fehler machen müssen.

Weitere Informationen finden Sie hier

Wir bedanken uns bei Richard Lemke für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

About Sabine Elsaesser

Sabine Elsässer ist seit 2008 Leitende Redakteurin des UNITEDNETWORKER. Seit Anfang der 1990ern bis zum Jahre 2007 hat Sie mit Ihrem Mann Markus Elsässer für verschieden Direct Selling Unternehmen große Internationale Vertriebsorganisationen aufgebaut. Seit einigen Jahren schlägt Ihr Herz für die Startup und Crowdfunding Szene, die Sie nicht nur durch die Magazine sondern auch als Investor und Mentor unterstützt.

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