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Finanzierungen durch Crowdfunding versechsfacht

Volumen der alternativen Finanzierungen hat sich innerhalb von zwei Jahren versechsfacht

Die alternative Finanzierung von Unternehmen über Online-Plattformen boomt. Kleine und mittelständische Unternehmen (KMU), Start-ups und auch Privatpersonen sichern sich immer häufiger frisches Geld über Crowdfunding oder Direktdarlehen („peer to peer lending“) von Konsumenten oder anderen Firmen. So kletterte der gesamte Markt für alternative Finanzierungen in Europa von 487 Millionen Euro im Jahr 2012 auf 2,96 Milliarden Euro im Jahr 2014. Damit hat sich das Volumen innerhalb von zwei Jahren versechsfacht. Allerdings entfällt auf Großbritannien der Löwenanteil in Höhe von 2,34 Milliarden Euro. Es folgen Frankreich mit einem Volumen in Höhe von 154 Millionen Euro und Deutschland mit einem Volumen in Höhe von 140 Millionen Euro.

Auch im langjährigen Vergleich bleibt die Reihenfolge die gleiche: In Großbritannien beträgt das Gesamtvolumen der Jahre 2012 bis 2014 3,56 Milliarden Euro, Frankreich kommt auf einen Wert von 253 Millionen Euro und Deutschland auf 236 Millionen Euro. Insgesamt entfallen damit allein auf Großbritannien drei Viertel des gesamten europäischen Marktes für alternative Finanzierungen.

Bei den derzeitigen Wachstumsraten wird Großbritannien seinen Vorsprung auch noch eine Weile behalten. Während das Finanzierungsvolumen dort seit 2012 jährlich um durchschnittlich 159 Prozent wuchs, betrug das Plus auf dem europäischen Festland 115 Prozent.

Das sind Ergebnisse einer aktuellen Studie der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young (EY) und des Cambridge Centre for Alternative Finance. Basis sind Daten sowohl von 14 großen Branchenverbänden als auch von 255 führenden Onlineplattformen für alternative Finanzierungen europaweit.

„Die Finanzierungsmöglichkeiten erweitern sich“
„Das eindrucksvolle Wachstum bei alternativen Finanzierungen wird sich auch im laufenden Jahr fortsetzen und voraussichtlich die Marke von sieben Milliarden Euro deutlich überschreiten“, erwartet Christopher Schmitz, Partner bei EY. „Das ist ein gutes Signal für junge Firmen. Die Finanzierungsmöglichkeiten für gute Ideen und Produkte erweitern sich, sie sind nicht mehr allein auf den Bankkredit oder Risikokapitalgeber angewiesen. Durch das rasante Wachstum werden alternative Finanzierungen zunehmend auch für traditionelle Investoren attraktiv. Crowdfunding und andere Instrumente rücken dadurch immer weiter aus der alternativen Ecke und werden zum Mainstream.“

In Deutschland ist für den Markt der alternativen Finanzierungen noch Luft nach oben. Das durchschnittliche jährliche Wachstum kommt mit 113 Prozent gerade an den europäischen Durchschnitt von 115 Prozent heran. Beim Gesamtvolumen liegt Deutschland zwar auf Platz drei im europaweiten Vergleich. Beim Pro-Kopf-Volumen reicht es jedoch nur für den achten Platz. Auf jeden Deutschen entfallen rechnerisch 1,70 Euro alternatives Finanzierungskapital. Auf jeden Briten entfallen 36,00 Euro. Estland (16,70 Euro) und Schweden (10,90 Euro) folgen auf den Plätzen zwei und drei.

Bei der Zahl der Online-Plattformen für alternative Finanzierungen führen ebenfalls die Briten mit insgesamt 65 Plattformen. Spanien (34) und Frankreich (33) folgen mit einigem Abstand. Deutschland und die Niederlande kommen auf 31 Plattformen, danach folgt, ebenfalls mit einigem Abstand, Polen (elf Plattformen).

„Dem britischen Markt für alternative Finanzierungen kommt nach wie vor eine besondere Rolle zu“, hebt Schmitz hervor. „Nach der Finanzkrise musste sich die Wirtschaft dort schnell nach alternativen Geldquellen umsehen, weil der traditionell starke Bankenstandort besonders hart getroffen wurde. Die britische Regierung unterstützte die Entwicklung mit einem freundlichen regulatorischen Umfeld. Der Rest Europas zog erst spät nach – die hohen Wachstumsraten zeigen aber, dass hier noch viel Fantasie drin ist.“

5.800 kleine und mittelständische Unternehmen sichern sich alternative Finanzierungen
Insbesondere für KMU sind die alternativen Finanzierungsmöglichkeiten sehr attraktiv. 2014 erhielten rund 5.800 KMU zusammen 200 Millionen Euro (ohne Großbritannien). Seit 2012 hat sich damit das Finanzierungsvolumen von 66 Millionen Euro pro Jahr durchschnittlich um 75 Prozent erhöht. Die Zahl der so (teil)finanzierten Unternehmen hat sich seit 2012 (1.084 KMU) mehr als verfünffacht.

Insgesamt konnten somit auf dem europäischen Festland im Jahr 2014 fast 350.000 Projekte voll durch Crowdfunding, Direktdarlehen und andere Instrumente finanziert werden. Das bedeutet eine Zunahme von 366 Prozent im Vergleich zu 2012 (über 74.000). Auch die Zahl der aktiven Spender und Investoren hat deutlich zugenommen. Sie stieg von 422.000 im Jahr 2012 um 258 Prozent auf 1,51 Millionen im Jahr 2014.

„Alternative Finanzierungsformen setzen sich zunehmend in ganz Europa durch. Es wird spannend sein zu sehen, wie Banken und andere traditionelle Finanzdienstleister auf den Trend reagieren. Sollten auch sie entsprechende Angebote schaffen, kann das dem Wachstum einen ordentlichen Schub geben. Für weiteres Wachstum sind aber auch entsprechende Regulierungen nötig, die sowohl Geldgebern als auch den Firmen die nötige Sicherheit bieten“, sagt Schmitz.

Regulierungen vielerorts zu strikt – oder gar nicht vorhanden
Ein Blick auf die unterschiedlichen Regulierungen in Europa zeigt, dass die entsprechenden Online-Plattformen oft noch nicht die nötigen regulatorischen Bedingungen vorfinden. Jede fünfte Plattform beklagt zu strenge regulatorische Vorschriften im eigenen Land. Dort, wo es noch keine entsprechenden Vorschriften gibt, beklagt fast jedes vierte Unternehmen, dass die geplanten Regularien zu streng seien. Auf der anderen Seite rufen viele Unternehmen aber auch nach klareren Vorschriften. 15 Prozent sagen, dass es keine spezifischen Regeln für alternative Finanzierungen gebe, diese aber dringend gebraucht würden.

Die mengenmäßig beliebteste Finanzierungsform in Europa (ohne Großbritannien) ist das Direktdarlehen von Privatpersonen („peer-to-peer consumer lending“), bei dem sich Individuen über Online-Plattformen Geld leihen. Zumeist handelt es sich um unbesicherte Kredite anderer Privatpersonen. Diese Form ist bei Start-ups sehr beliebt. Das Volumen betrug 2014 knapp 275 Millionen Euro. Auf Platz zwei der beliebtesten Finanzierungsformen steht das „reward-based crowdfunding“, das für viele Crowdfunding im klassischen Sinne ist. Dabei werden über eine Online-Plattform Geldmittel eingesammelt. Die Geldgeber erhalten dafür später eine (nichtfinanzielle) Belohnung, beispielsweise bekommen sie das fertige Produkt früher als andere oder in einer luxuriöseren Ausstattung. Hierdurch sammelten Firmen 2014 insgesamt über 120 Millionen Euro ein.

Deutlich stärker noch wächst das Direktdarlehen von Firmen bzw. Institutionen („peer-to-peer business lending“), das sich vor allem für KMU eignet, um schnell Mittel zu erhalten. Geldgeber können andere Firmen oder Institutionen, aber auch Privatpersonen sein. Insgesamt kamen dadurch 93,1 Millionen Euro zusammen. In den vergangenen beiden Jahren wuchs dieses Segment durchschnittlich um 272 Prozent und damit signifikant stärker als die beiden anderen Finanzierungsmethoden.

„Erfolgreiche Finanzierungsrunden über Plattformen wie Kickstarter oder der Börsengang des Online-Kreditvergabeplatzes Lending Club haben das Thema der alternativen Finanzierungen einem breiten Publikum bekannt gemacht. Gerade für Start-ups ist der Weg zur Bank nicht mehr die einzige Finanzierungsmöglichkeit. Aber auch sich sonst traditionell finanzierende Firmen sind so auf neue Möglichkeiten aufmerksam geworden“, sagt Schmitz.

Quelle: Ernst & Young GmbH

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