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Fleetize Fahrzeugortung zum Einstecken

Gueven Oektem Gründer & CEO Fleetize UG im Interview

Herr Oektem, Sie sind Gründer und CEO von Fleetize – Fahrzeugortung. Stellen Sie Ihr Unternehmen doch kurz vor!
Gueven Oektem/Fleetize: Bevor ich zu Fleetize komme, würde ich gerne ein paar Worte zum ursprünglichen Problem loswerden: der Wettbewerbsdruck heutiger Unternehmer ist größer denn je. Wenn zur Ausübung der Tätigkeiten ein eigener Fuhrpark notwendig ist, verstecken sich hier große Verluste. Diese resultieren unter anderem durch nicht organisierte Auftragsabwicklungen, missbräuchliche Nutzung von Firmenfahrzeugen, oder ungleichmäßig verteilte Fahrzeugauslastung. Studien zufolge können durch den Einsatz von speziellen Fuhrpark-Lösungen die Effizienz des Personals um durchschnittlich 18% gesteigert und die Kosten für Fahrzeug und Personal um bis zu 25% gesenkt werden.
Dennoch finden sich solche Lösungen trotz großem Marktangebot nur in wenigen mittelständischen und in fast keinem Kleinunternehmen. Dabei können 25% Optimierung auch für Kleinunternehmen mehrere tausend Euro im Monat bedeuten. Wir haben die Gründe in Erfahrung gebracht, wieso Unternehmer diese so wichtige Optimierung nicht nutzen wollen und haben dann Fleetize im Oktober 2014 gegründet.
Fleetize ist das ausgereifte Resultat vieler vorangegangener Projekte und bietet einen Komplettservice für die professionelle Fuhrpark-Vernetzung an. Wir liefern die passenden GPS-Ortungseinheiten im Sorglos-Paket gleich mit. Durch die einfache Steck-Installation und unsere attraktiven Miettarife verhindern wir unnötige Erst- und Folgekosten.
Mit Fleetize verfolgen wir also das Ziel, ein simples und fokussiertes Standardprodukt für die Fuhrpark-Ortung anzubieten, welches jeder Branche und Unternehmensgröße zugänglich ist.
Durch Simplizität und attraktive Tarife ermöglichen wir sowohl dem Kleinunternehmer, als auch dem breiten Mittelstand die schnelle und professionelle Vernetzung ihres Fuhrparks.

Wie funktioniert Fleetize? Wie wird es eingebaut und wie bedient?
Gueven Oektem/Fleetize: Das Besondere an Fleetize ist, dass sich alles Notwendige in unseren Ortungseinheiten befindet und diese betriebsbereit geliefert werden. Der Kunde muss sich in keine komplizierte Technik einarbeiten, keine zusätzlichen Komponenten erwerben und keinen teuren Werkstattbesuch einplanen. Er steckt unsere Fleetize-Tracker einfach nur am On-Board-Diagnoseanschluss (OBD2) seines Fahrzeuges an. Die Ortungseinheit konfiguriert sich selbstständig und ist binnen Sekunden betriebsbereit. Der Kunde kann nun unsere Smartphone-App herunterladen, oder am Computer, Macintosh und Tablet unsere Webapplikation aufrufen. Nachdem er sich mit seinen persönlichen Zugangsdaten eingeloggt hat, kann er sofort auf seine Fahrzeuge zugreifen. Durch verschiedene Funktionen wie Live-Ortung, Alarmierungsassistent und Statistiken hat der Kunde die Möglichkeit, Kennwerte seines Fuhrparks zu erfassen, einzelne Fahrzeugnutzungen zu optimieren und die Abwicklung zu steuern. Unsere Ortungseinheiten funktionieren je nach gewähltem Tarif weltweit. Des Weiteren arbeitet der vollständig von uns entwickelte Programmcode auf unseren eigenen, in Deutschland stehenden Servern, was den Schutz der Daten unter das deutsche Bundesdatenschutzgesetz stellt. Server und Programmcode werden ausschließlich durch Fleetize-Mitarbeiter betreut und haben unter anderem den großen Vorteil, dass wir die Kontrolle über Bedienfreundlichkeit und Gestaltung der Software haben. Das bedeutet nicht nur, dass wir zu jeder Sekunde exakt wissen, was mit den Kundendaten passiert, sondern auch unsere Handlungsfähigkeit uneingeschränkt bleibt.

Wie ist die Idee zu Fleetize entstanden und wie haben Sie sich als Gründerteam zusammengefunden?
Gueven Oektem/Fleetize: Die Idee zu Fleetize entstand aus einer Mischung bereits realisierter Projekte und vielen Anregungen vonseiten unserer Kunden. Ich komme aus einer Unternehmerfamilie und bin bereits seit 2006 neben meinem Hauptberuf selbstständig als Software- und Webdesigner tätig. Währenddessen lernte ich Simon Fakir kennen. Parallel zu unserer Freundschaft entstand über die Jahre eine vertrauensvolle Geschäftsbeziehung. Bereits 2008 kam ein Kunde mit der Bitte der speziellen Vernetzung seiner Fahrzeuge auf uns zu, welche wir erfolgreich mit leistungsfähigen CarPC-Einheiten realisierten. Kunden, die folgten, wünschten mal mehr und mal weniger. Bei weniger Leistungsumfang konnten wir uns zusätzlich vom Markt bedienen, doch teilweise lag der Funktionsumfang noch immer weit über dem Kundenbedarf, weshalb wir diese Kunden vertrösten mussten. Wir wussten also schnell, da muss was Neues her. Eine Lösung also, die sich ausschließlich auf die Vernetzung und Ortung fokussiert, schnell zu integrieren und einfach zu bedienen ist. Dadurch, dass ein Großteil der Lösung bereits vorhanden war, konnten wir im Dialog mit unseren Kunden innerhalb eines Monats einen funktionierenden Prototypen entwickeln. Unsere Kunden waren so begeistert, dass sie uns nicht nur die Entwicklungskosten vorfinanzierten, sondern auch gleich im Voraus die Betriebskosten für die nächsten 24 Monate zur Verfügung stellten.

Was waren die größten Herausforderungen bei der Realisierung Ihrer Idee und wie haben Sie sich finanziert?
Gueven Oektem/Fleetize: Als Anbieter elektronischer Produkte müssen teure Laboruntersuchungen für die Zulassung auf dem europäischen Markt absolviert – und die speziellen Anforderungen der Straßenverkehrsordnung beachtet werden. Das war für uns, als junges und unerfahrenes Unternehmen, eine große Herausforderung. Deshalb haben wir uns über die Vorfinanzierung durch unsere Kunden besonders gefreut. Eine noch größere Herausforderung ist allerdings das Teamwachstum, solch ein Produkt benötigt besondere Kompetenzen. Unser Ziel war es, diese im Kernteam zu bündeln, um weiterhin agil zu bleiben. Wir konnten zum Glück auf unser Netzwerk zurückgreifen und mit der Unterstützung von Gründern, die bereits in der Start-up-Szene vertreten waren und guten Freunden, wie beispielsweise Rui-Lun Tran und Toni Gress, nicht nur neue Mitstreiter begeistern, sondern auch das Geschäftsmodell von Fleetize optimieren. Dennoch steht man als Jungunternehmer jeden Tag neuen Herausforderungen gegenüber und egal wie viele Extrarunden man drehen muss – gerade die erfolgreiche Bewältigung jeder dieser Herausforderung macht den Reiz der Unternehmensgründung aus.

Welche Wege gehen Sie, um Ihr Start-up-Unternehmen am Markt zu etablieren? Welche Rolle spielen dabei Gründer- und Start-up-Events bzw. Wettbewerbe?
Wir legen großen Wert auf organisches Wachstum, nicht nur um unabhängig, sondern auch, um gesund zu bleiben. Somit investieren wir momentan jeden einzelnen Cent wieder in Fleetize. Durch die in den Vertragslaufzeiten wiederkehrenden Einnahmen haben wir immer ausreichend Budget zur Verfügung, um unsere nächsten Schritte zu finanzieren. Wir sprechen viel mit unseren Kunden und können so aktiv auf Wünsche, Fragen und Kritik eingehen. Nur so können wir uns stetig verbessern und Fleetize immer auf korrekten Kurs halten. Als Dank hierfür erfreuen wir uns an einer hohen Weiterempfehlungsquote. Events und Wettbewerbe sehen wir als optimale Plattform, um Fleetize noch bekannter zu machen. Wir sind überzeugt, dass jeder jemanden kennt, der unser potenzieller Kunde sein kann. Bei all diesem Optimismus bleiben wir allerdings realistisch und schließen nicht aus, dass wir zum passenden Zeitpunkt auf externes Investment zurückgreifen müssen, um bestimmte Hürden zügig überwinden zu können.

Wer ist die Zielgruppe von Fleetize?
Gueven Oektem/Fleetize: Unser Fokus liegt momentan im Geschäftskundensegment. Fleetize richtet sich dabei branchenübergreifend an Unternehmen mit eigenem Fuhrpark. Die bisher auf dem Markt angebotenen Produkte bieten teilweise einen sehr großen Funktionsumfang, welcher von der Fahrzeugerfassung bis hin zur Disponierung von Aufträgen reicht. Hierdurch sind die Produkte nicht nur teuer, sondern auch sehr komplex zu integrieren und zu bedienen. Wir haben erkannt, dass besonders kleine bis mittelständische Unternehmen ausschließlich Bedarf an der reinen Standorterfassung des eigenen Fuhrparks haben. Ohne viel „Schnick-Schnack“, sozusagen. Mit Fleetize konzentrieren wir uns deshalb genau auf diesen Aspekt und schaffen dadurch nicht nur ein schlankes, sondern auch ein unglaublich einfach zu bedienendes Produkt, welches den Kunden auf Augenhöhe erreicht. Durch diese Simplizität bedarf es keinen Expertisen-Aufbau oder aufwendige Betreuung durch speziell geschultes Personal. Mit diesem Konzept bedienen wir mittlerweile zwölf verschiedene Kundengeschäftsfelder. Sollten dennoch individuelle, branchenspezifische Zusatzfunktionen gefordert sein, können diese über unsere offene Programmschnittstelle durch uns, oder von jedem fortgeschrittenen Programmierer, ergänzt werden. Im nächsten Schritt werden wir uns auf den Endverbraucher-Markt konzentrieren.

Wo sehen Sie sich in fünf Jahren? Wohin soll der Weg mit Fleetize gehen?
Gueven Oektem/Fleetize: Das kann man vorab nie genau sagen. Der Ortungsmarkt in Deutschland ist durch große Wettbewerber etabliert. Eine weitreichende Sichtbarkeit zu erlangen ist somit sehr kostenintensiv. Zunächst werden wir also die deutsche Marktposition ausbauen, danach werden weitere Länder folgen. Wie bereits erwähnt ist es uns dabei sehr wichtig, immer gesund und organisch zu wachsen und erst dann in ein schnelles Wachstum zu investieren, wenn es sich wirklich anbietet. Wenn es wirklich clever ist. Diverse Produktdiversifikationen und Produktvarianten, auch für den Endverbrauchermarkt, sind bereits getestet und werden uns zusätzlichen Schub verleihen, sobald wir diesen benötigen.

Zum Schluss: Welche Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?
Gueven Oektem/Fleetize: Wir bemerken häufig, dass sich für das Produkt unabdingbar notwendige Kernkompetenzen nicht im (Gründer)-Team befinden. Gerade in der heutigen Zeit kann es aber nicht schaden, einen ausdauernden Programmierer und einen kreativen Designer im Team zu haben, besonders wenn es sich um ein digitales Produkt handelt, oder eines, welches über digitale Kanäle vertrieben werden soll. Gründer sollten dabei immer bedenken, dass Programmierung und Design mitunter zu den am wenigstens kalkulierbaren Kostenfaktoren zählen.

Weitere Informationen finden Sie hier

Wir bedanken uns bei Gueven Oektem für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

About Sabine Elsaesser

Sabine Elsässer ist seit 2008 Leitende Redakteurin des UNITEDNETWORKER. Seit Anfang der 1990ern bis zum Jahre 2007 hat Sie mit Ihrem Mann Markus Elsässer für verschieden Direct Selling Unternehmen große Internationale Vertriebsorganisationen aufgebaut. Seit einigen Jahren schlägt Ihr Herz für die Startup und Crowdfunding Szene, die Sie nicht nur durch die Magazine sondern auch als Investor und Mentor unterstützt.

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