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Flugangst die Angst fliegt immer mit, doch sie lässt sich bewältigen

Ein Interview mit Dr. Sandra Maxeiner über die Hintergründe von Flugangst und Möglichkeiten, sie zu kontrollieren.

Der Absturz des Germanwings-Flugzeuges in den französischen Alpen hat bei vielen Menschen das Thema Flugangst wieder ins Bewusstsein gerückt. Was hat es mit der Flugangst auf sich?
Dr. Sandra Maxeiner: Tatsächlich ist es so, dass etwa jeder zweite Passagier beim Fliegen ein mulmiges Gefühl hat. Immerhin 20 Prozent der Passagiere leiden unter einer ausgeprägten Flugangst.

Wie kommt es zu dieser Flugangst?
Dr. Sandra Maxeiner: Immer dann, wenn wir selbst keine Kontrolle mehr über das haben, was geschieht, beschleicht uns ein ungutes Gefühl. Hinzu kommt, dass die meisten von uns keine Ahnung haben, was da vorne im Cockpit eigentlich geschieht. Vor allem aber resultiert die Angst daher, ohnmächtig akzeptieren zu müssen, was passiert, wenn es zu Problemen während eines Flugs kommt. So entsteht ein Gefühl des Ausgeliefertseins; es ist der Moment, in dem es kein Zurück mehr gibt – der Augenblick, in dem sich Zweifel und Unsicherheit breit machen.

Und die Fantasie, was passieren würde, wenn es zu einem Absturz käme, spielt ebenfalls eine Rolle?
Dr. Sandra Maxeiner: Ja. Obwohl wir wissen, dass ein Flugzeugabsturz viel unwahrscheinlicher ist als ein tödlicher Autounfall, haben wir vor dem Fliegen die größere Angst. Dieses Phänomen bezeichnen Psychologen als „Schockrisiko“. Weil es auf uns eine besonders schockierende Wirkung hat, wenn viele Menschen bei einem Flugzeugabsturz ihr Leben verlieren, nehmen wir Fliegen als besonders riskant wahr. Je schockierender also ein Ereignis für uns ist, desto größer erscheint uns das Risiko, dass wir selbst irgendwann einmal davon betroffen sind. Diese Ängste werden durch die Medienberichterstattung zusätzlich angeheizt.

Sodass wir beim nächsten Flug noch mehr Angst haben?
Dr. Sandra Maxeiner: Genau. Die Schockrisiko-Wahrnehmung sorgt dafür, dass uns eine vollkommen irrationale Angst überfällt, dass wir Sachverhalte falsch einschätzen und uns letztlich auch irrational verhalten. Das Einzige, was hier wirklich hilft, ist die Vernunft. Denn je aufgeklärter und informierter wir sind, desto besser können wir unseren irrationalen Ängsten begegnen.

Wie lässt sich eine Flugangst besiegen?
Dr. Sandra Maxeiner: Ein wichtiger Schritt ist es, sich bewusst mit dem Fliegen und der Arbeit von Piloten zu befassen. Das schafft Vertrauen. Eine Möglichkeit dazu ist die Teilnahme an einem so genannten „Pinch-Hitter-Kurs“. Darin können Interessierte viele theoretische und praktische Kenntnisse wie Navigation und die Bedienung eines Funkgeräts lernen. Zudem bieten diese Kurse die Möglichkeit, ein Gefühl für das Fliegen zu bekommen und im Extrem sogar, eine Maschine zu kontrollieren und mit Hilfe der Fluglotsen sicher zu landen. Nach solch einem Kurs fühlt man sich nicht mehr den Piloten ausgeliefert und kann die Geräusche und Bewegungen eines Flugzeugs besser einschätzen.

Welche weiteren Möglichkeiten zur Flugangstkontrolle gibt es?
Dr. Sandra Maxeiner: Menschen, bei denen Flugreisen regelmäßig Panik auslösen, bietet die App „iFlyHigh“ ein umfassendes Programm gegen die Angst. Diese App enthält Trainingseinheiten zur Vorbereitung, aber auch Entspannungsübungen, die über Kopfhörer eingespielt werden.

Was hilft sonst noch?
Dr. Sandra Maxeiner: Es gibt noch eine ganze Reihe weiterer Hilfsmittel, um eine Flugangst zu mindern. Bei leichterer Flugangst helfen feste Rituale dabei, „runterzukommen“. Das kann die Lieblingsmusik sein, die wir auf dem Kopfhörer haben, ein e-book, das wir lesen oder auch eine Zeitschrift. Bin ich beispielsweise innerhalb Europas unterwegs und fliege von Berlin nach Barcelona, spreche ich gern von einer SPIEGEL-Länge, weil die Flugzeit exakt ausreicht, um den SPIEGEL zu lesen. Nach kurzer Zeit bin ich meist so vertieft in meine Lektüre, dass ich alles um mich herum vergesse.

Helfen Atemübungen weiter?
Dr. Sandra Maxeiner: In jedem Fall. Der Betroffen sollte bewusst einatmen, dann seinen Atem mindestens zwanzig Sekunden lang anhalten, erst dann ausatmen. Das entspannt sofort. Angst macht den Atem schneller und flacher oder sorgt dafür, dass die Luft angehalten wird, was wiederum Angst auslöst. Diese Spirale lässt sich unterbrechen, indem die Hände auf den unteren Bauch gelegt und bewusst langsam und tief in Richtung der Hände geatmet wird. Die Konzentrationsformel lautet: „Ich atme ruhig und tief“.

Was raten Sie noch?
Dr. Sandra Maxeiner: Wir arbeiten Zeit unseres Lebens daran, alles – besonders unsere eigenen Gefühle – zu kontrollieren und unsere Ängste zu unterdrücken. Vielleicht ist das unsere schwierigste Aufgabe und zugleich die größte Herausforderung, die das Leben – und nicht nur das Fliegen – an uns stellt: Dass wir lernen loszulassen, zu vertrauen und unsere Ängste zulassen.

Dr. Sandra Maxeiner ist promovierte Politik- und Sozialwissenschaftlerin und absolvierte Ausbildungen zur Heilpraktikerin für Psychotherapie sowie zum Coach. Sie ist zudem als ehrenamtliche Hospizhelferin tätig. Sie ist Autorin der Nachschlagewerke »Dr. Psych’s Psychopathologie, Klinische Psychologie und Psychotherapie“, Band 1 und Band 2, erschienen im Jerry Media Verlag.

Mehr Infos finden Sie unter:
www.dr-psych.com oder auf der Facebook-Seite:
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Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

About Sabine Elsaesser

Sabine Elsässer ist seit 2008 Leitende Redakteurin des UNITEDNETWORKER. Seit Anfang der 1990ern bis zum Jahre 2007 hat Sie mit Ihrem Mann Markus Elsässer für verschieden Direct Selling Unternehmen große Internationale Vertriebsorganisationen aufgebaut. Seit einigen Jahren schlägt Ihr Herz für die Startup und Crowdfunding Szene, die Sie nicht nur durch die Magazine sondern auch als Investor und Mentor unterstützt.

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