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Jourvie App zur Unterstützung der Therapie von Essstörungen

Jourvie Gründerin Ekaterina Karabasheva im Interview

Wann und wie ist die Idee zu Jourvie entstanden und wie habt Ihr Euch als Gründerteam zusammengefunden?
Ekaterina Karabasheva/Jourvie: Ich musste vor Jahren selbst erleben, was es bedeutet, Essprotokolle im Rahmen einer Essstörungstherapie auszufüllen. Durch meine eigene Erfahrung verstehe ich, welche Hürden die Jugendlichen auf ihrem Weg zur Genesung durchlaufen und welchen wichtigen Beitrag Essprotokolle dabei leisten. Deshalb habe ich 2013 mit der Idee angefangen, ein Tool zu entwickeln, um andere Betroffene zu unterstützen.
Seitdem arbeiten wir in einem jungen und motivierten Team daran, Jourvie weiterzuentwickeln und mehr Leuten zu helfen. Als Team haben wir uns sowohl auf Events zusammengefunden, wo ich über die Idee gesprochen habe, als auch über Ausschreibungen im Internet. Alle fühlten sich von dem Thema angesprochen, denn ehrlich gesagt: Wer hat denn noch nicht über seine Figur nachgedacht, oder eine Diät ausprobiert.

Wie definiert man eine Essstörung? Was sind die häufigsten Essstörungen? Sind bestimmte Altersgruppen mehr gefährdet? Wie schwierig ist es für den Betroffenen die Essstörung zu überwinden?
Ekaterina Karabasheva/Jourvie: Essstörungen – wie Bulimie, Magersucht und Esssucht – sind Verhaltensstörungen, gekennzeichnet durch häufige gedankliche und emotionale Beschäftigung mit dem Thema „Essen“. Dies wirkt sich auf eine gesunde Nahrungsaufnahme aus. “Einstiegsdroge” kann da oft schon eine Diät sein.
In Deutschland sind mehr als 2 Millionen Menschen an Essstörungen erkrankt, davon 100.000 Betroffene von Magersucht, 600.000 von Ess-Brech-Sucht und 1.600.000 von Esssucht. Essstörungen entstehen meistens im Jugendalter, aber sie betreffen auch viele Erwachsene, und zunehmend auch Männer.
Menschen mit Essstörungen werden durch eine Therapie begleitet, in der Selbstbeobachtung und Selbstreflexion der Betroffenen zentrale Punkte für den erfolgreichen Abschluss sind. Therapieplätze sind leider aber rar und nur wenige Therapeuten haben sich auf diese Krankheit spezialisiert. Besonders das Essprotokoll , welches in der Therapie Verwendung findet, dient zur Selbstbeobachtung des Essverhaltens und zur Aufklärung von Verhaltensmustern (z.B. Essattacken zu bestimmten Zeitpunkten).

Wie hilft die App eine Therapie von Essstörungen zu unterstützen?
Ekaterina Karabasheva/Jourvie: Bei einer Essstörung muss man als Teil der Therapie jeden Tag ein Essprotokoll führen. Nach jeder Mahlzeit soll man aufschreiben, was man gegessen und getrunken hat, wo, mit wem und wann das passiert ist, aber vor allem – wie man sich dabei gefühlt hat. Das sind wichtige Informationen für die Therapie, denn damit können die Patienten und besonders die Therapeuten bestimmte Muster erkennen und an konkreten Verhaltensweisen arbeiten.
Die Protokolle sind jedoch auf Papier und man muss sie immer dabei haben – selbst wenn man mit Freunden ins Restaurant Essen geht. Man vergisst sie zu Hause, oder es ist peinlich, sie vor anderen Leuten auszufüllen. Dann wird es schwierig an genaue Daten zu kommen. In solchen Fällen muss man die Information nachträglich aufschreiben. Oftmals füllt man das Protokoll im Nachhinein gar nicht aus, weil es zu lästig ist. Das ist schlecht für die Therapie, weil wichtige Informationen fehlen.
Hier setzen wir mit Jourvie an und wollen ein praktisches Tool zur Verfügung stellen, das man schnell unterwegs ausfüllen kann. Man kann nach jeder Mahlzeit mit einigen Klicks alle wichtigen Infos angeben. Selbst wenn man mit anderen Leuten isst, fällt das Eintippen in das Handy nicht auf. So hat man die wichtigsten Informationen immer parat.

Unser Ziel ist es, den Therapieprozess zu unterstützen und Betroffene zu motivieren, diesen selbständig und erfolgreich zu meistern. Deshalb bieten wir in der App auch zentrale Behandlungselemente, wie z.B. Stressbewältigungs- und Motivationsstrategien zur Unterstützung an. Somit wollen wir die Selbst-Beobachtung und Reflexion als zentrales Element der Behandlung erleichtern und den Nutzern helfen, die Therapie konsequenter und erfolgreicher auszuführen – und besonders in Leerlaufphasen (wenn kein Therapeut zur Stelle ist) die schwierigen Phasen überbrücken.

Arbeitet Ihr mit Ärzten und Therapeuten zusammen?
Ekaterina Karabasheva/Jourvie: Ja, wir werden seit 2013 von der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kinder- und Jugendalters der Berliner Charité unterstützt. Das Team an der Klinik war von unserem Vorhaben überzeugt und gibt uns inhaltlich Hilfestellung.
Wir nehmen auch aktiv an medizinischen Kongressen teil, auf denen wir Therapeuten kennenlernen, die die App mit ihren Patienten testen wollen und uns Feedback geben. Wir werden in Zukunft an einer Verbesserung der Schnittstelle zwischen Therapeut und Patient arbeiten, was für die ländlichen Regionen ohne schnellen Zugang attraktiv wird.

Wie ist das bisherige Feedback der Nutzer?
Ekaterina Karabasheva/Jourvie: Wir haben bisher sehr gutes Feedback bekommen, sowohl von Betroffenen als auch von behandelnden Ärzten oder Therapeuten. Die Betroffenen schätzen sehr die farbenfrohe Gestaltung und die motivierenden Zitate und Bilder. Viele wünschen sich noch mehr von dieser Motivationsrichtung – z.B. Videos und Musik. Die Therapeuten andererseits legen mehr Wert auf die Vollständigkeit der Daten, die eingegeben werden und können den Trend “Alles per Smartphone” bei der Zielgruppe nachvollziehen.

Was sind die Pläne für 2015 und wo geht der Weg hin?
Ekaterina Karabasheva/Jourvie: Wir werden an der technischen Weiterentwicklung der App arbeiten. Momentan ist die App für Android-Geräte verfügbar und wir wollen sie bald auch für iOS-Geräte entwickeln. Darüber hinaus wollen wir Essstörungen vermehrt in den öffentlichen Diskurs bringen und mehr Leute zusammenbringen, die sich für das Thema engagieren.

Bild: Felix Strosetzki

Weitere Informationen finden Sie hier

Wir bedanken uns bei Ekaterina Karabasheva für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

About Sabine Elsaesser

Sabine Elsässer ist seit 2008 Leitende Redakteurin des UNITEDNETWORKER. Seit Anfang der 1990ern bis zum Jahre 2007 hat Sie mit Ihrem Mann Markus Elsässer für verschieden Direct Selling Unternehmen große Internationale Vertriebsorganisationen aufgebaut. Seit einigen Jahren schlägt Ihr Herz für die Startup und Crowdfunding Szene, die Sie nicht nur durch die Magazine sondern auch als Investor und Mentor unterstützt.

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