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mapapu- Mama Papa Puppe

mapapu Erinnerung aus Lieblings T-shirts

Ein mapapu ist eine MAma-PApa-Puppe, zusammengenäht aus den Lieblings-T-Shirts der Eltern für deren Kind. Der bekannte Stoff der Eltern sowie der vertraute Geruch schaffen auf Anhieb familiäres Vertrauen und Geborgenheit beim Kind. Die positiven Eigenschaften des Kuscheltieres (beispielsweise Kreativitätsförderung, Sozialisation, Selbst-Entwicklung, Trostspender u.v.m.) werden durch einen mapapu personalisiert und verstärkt.
Unsere mapapus finden ihren Einsatz hauptsächlich bei schweren Schicksalsschlägen. Beispielsweise wird er bei einer Trennung der Eltern aus den elterlichen Shirts genäht. Das Kind hat auf diese Weise beide Eltern auf eine gewisse Art und Weise immer bei sich und bekommt von seinen Eltern das wichtige Zeichen: „In Dir sind wir für immer vereint. Wir sind für immer Deine Eltern“. Oder es entsteht ein mapapu für trauernde Kinder (und Erwachsene!) aus Kleidungsstücken der verstorbenen Person – und macht das unfassbare Thema „Verlust eines geliebten Menschen“ greifbar.
Ein mapapu aus symbolkräftigen, persönlichen Stoffen kann ein Stück weit helfen, eine aus dem Gleichgewicht gekommene Seele ein Stück weit zu stabilisieren.

Wie ist die Idee zu mapapu entstanden? Wann haben Sie die erste mapapu gefertigt?
Hendrik Lind/mapapu : Die Idee für unsere mapapus entsprang aus unserer Patchwork-Familiensituation. Jeder von uns hat ein Kind mit in die Familie gebracht, also pendeln zwei von unseren vier wundervollen Kindern oft zwischen ihren getrennt lebenden Eltern hin und her. Als dann das erste von zwei gemeinsamen Kindern auf die Welt kam, war es für die beiden großen gefühlsmäßig sehr kompliziert. „Wer gehört, wohin, wie ist, wer mit wem verbunden, wo ist mein Platz und wie kann ich den finden, wo ist eigentlich oben und wo unten…?“
Wir wollten ihnen diese Situation leichter machen und ihnen etwas zur „Eltern-Orientierung“ mitgeben. Aus dem Wunsch nach Klarheit und Halt ist die Idee der mapapus entstanden: ein Kuscheltier sollte es sein, ein Freund und Mitpendler, der sowohl Mama als auch Papa irgendwie gleichermaßen in sich trägt. Geliebte T-Shirts sind vertraut, versinnbildlichen uns, riechen nach uns und lassen sich hervorragend zusammennähen. Ex-Partner (zum Glück begeistert!) steuerten ihre Shirts bei. Mamas und Papas wurden für das jeweilige Kind zusammen genäht, Zeichen von Zusammenhalt und Einheit und Liebe wurden gesetzt…und so erblickten die ersten mapapus vor rund 7 Jahren das Licht der Welt!
Es folgten viele mapapus für Freunde und Bekannte. Als wir dann vor rund zwei Jahren für ein trauerndes Kind einen mapapu aus der Kleidung seines verstorbenen Bruders genäht haben und erfahren durften, wie sehr wir dem Kind in seiner Trauerarbeit helfen konnten und nach wie vor helfen, haben wir uns selbst noch einmal ganz klar vor Augen geführt, wie viel Seelenheil so ein mapapu in die Welt bringen kann. Es war uns schlagartig klar, daß wir den privaten Bereich verlassen mussten, dass wir das Abenteuer „mapapus für alle“ wagen sollten.

Als Sie die erste mapapu gefertigt hatten, hätten Sie mit dieser Entwicklung gerechnet?
Hendrik Lind/mapapu : Nein, gar nicht. Auch nicht, daß wir mit den mapapus einmal ein kleines Familienunternehmen gründen. Und wir sind nach wie vor verdutzt, wenn Ärzte und Psychotherapeuten auf uns zu kommen, um neue Einsatzgebiete vorzuschlagen! Wir sollen uns dringend um Demenzkranke kümmern – oder um geistig behinderte Menschen, um Boderliner oder ganz einfach um Menschen, für die das Thema „Kommunikation mit dem inneren Kind“ aktuell ist. Natürlich entstehen auch viele mapapus für freudige Anlässe wie die Geburt oder Taufe eines Kindes, zur Hochzeit und und und.

Aus welchen Materialien können Sie die mapapu herstellen? Gibt es bestimmte Stoffe, die Sie nicht verwenden können?
Hendrik Lind/mapapu : Für mapapus sind am besten ganz normale T-Shirts geeignet. Wir benötigen Stoffe, die sich etwas dehnen lassen. Hemden oder Blusen lassen sich gar nicht dehnen. Wenn aber nun genau dieser Stoff bedeutungsintensiv ist, können wir ihn für bestimmte Details oder Applikationen nutzen. Das andere Extrem sind Ripp-Shirts. Die hören gar nicht auf, sich zu dehnen und sind sehr schwer zu verarbeiten. Aber auch hier gilt: Ist gerade ein Ripp-Shirt persönlich symbolisch, finden wir einen Weg, es im mapapu zu verarbeiten.

Senden die Kunden Ihnen die T-shirts einfach so zu oder findet vorab ein Gespräch statt, damit Sie auf die jeweilige Situation eingehen können?
Hendrik Lind/mapapu : Grundsätzlich sind wir mit unseren Kunden in sehr engem Kontakt. Wir bitten auch um etwas Hintergrund, da dieses Wissen ganz klar in die Arbeit mit einfliesst. Natürlich können wir einen mapapu auch ganz anonym nähen. Doch wenn wir vorher wissen, warum ein mapapu entstehen soll, entstehen meist Ideen oder individuelle Feinheiten im Gespräch mit unseren Kunden. Und genau diese Feinheiten machen den mapapu oftmals aus.

Oftmals können wir aber auch wertvolle Tipps geben. Zwei Beispiele: Wenn sich ein Paar trennt, dann ist es nicht nur wichtig, daß das Kind die Shirt-Stoffe optisch wiedererkennt. Wir empfehlen, die Shirts einmal zu waschen und dann noch eine Nacht anzuziehen. Dann riechen die Stoffe nach Mama und Papa. Unterbewusst bekommt das Kind diesen Geruch sofort mit – dementsprechend ist die Bindung zwischen Kind und mapapu intensiver. Oder aber es geht um einen mapapu für ein kleines Kind, dessen Vater oder Mutter verstorben ist. Die optische Wiedererkennung der Shirts ist bis zu einem gewissen Alter noch nicht gegeben. Da ist es wichtig, daß solche Shirts ausgesucht werden, die auf Fotos zu sehen sind, auf denen der Verstorbene sie getragen hat. Ist das Kind dann drei Jahre oder älter, können die Fotos hervorgeholt werden – und nachträglich die Bindung zum mapapu intensivieren.

Was ist der schwierigste Schritt die Überlegung, wie er aussehen wird oder das Zerschneiden der T-shirts um was Neues entstehen zu lassen?
Hendrik Lind/mapapu : Wenn die T-Shirts bei uns ankommen, ist eigentlich sofort klar, wie der mapapu aussehen soll. Hin und wieder bekommen wir sogar ganz detaillierte Gedanken von unseren Kunden. Das Zerschneiden der Shirts dagegen ist nach wie vor immer wieder aufregend – immerhin haben wir nur einen einzigen Versuch!

Wie ist das Feedback der Kunden?
Hendrik Lind/mapapu : Das Feedback unserer Kunden überwältigt uns immer wieder und zeigt uns, daß wir auf dem richtigen Weg sind. Jeden Samstag zeigen wir auf facebook ausgewählte mapapu-Erfahrungsberichte. Bei jedem Neulesen bekomme ich nach wie vor eine Gänsehaut.

Wieviele mapapu haben Sie schon verschickt und in welche Länder senden Sie die mapapus?
Hendrik Lind/mapapu : So richtig los ging es mit den Bestellungen letzten Sommer. Seit dem haben wir rund 400 mapapus genäht. Und knapp 150 sind noch avisiert. Neben Deutschland leben viele mapapus auch in der Schweiz und in Österreich. Eine Bestellung kam sogar aus Südkorea!

mapapu wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?
Hendrik Lind/mapapu : In fünf Jahren werden die mapapus nicht mehr in unseren privaten Räumen geboren! Weiter haben wir ein mapapu-Paten-Netzwerk aus Stiftungen und Unternehmen ins Leben gerufen, die für die Menschen einen mapapu finanzieren, die es selbst gerade nicht können. Da in einem mapapu rund 12 Stunden Handarbeit stecken, kostet er mehr als ein normales Kuscheltier. Beispielsweise bei einer Scheidung oder einem Trauerfall kommt meistens eine finanzielle Schieflage mit einher. Wo ein mapapu am meisten heilen kann, ist er also oftmals nicht finanzierbar. Diesen Menschen soll durch mapapu-Paten geholfen werden.
In fünf Jahren werden unsere mapapu-Seminare für trauernde Menschen bekannt und ausgebucht sein. Diese Seminare werden noch in dieser Jahreshälfte ihren Beginn finden. Ziel ist es, den Teilnehmern einen verbesserten Umgang mit der Tatsache des Verlustes eines geliebten Menschen zu geben. Angefangen mit dem Zerschneiden der Shirts (Aufgeben der alten Form), über das Zusammennähen (neue Form geben), das Stopfen (neue Form mit neuen Inhalten füllen), Ordnung schaffen (Kopf oben, Füße unten) und zu guter Letzt: dem ganzen ein Gesicht geben und greifbar machen!

Als letzten Punkt für diese Frage sehe ich in fünf Jahren, daß wir den Sprung ins anderssprachige Ausland schaffen. Nach den Sommerferien soll es unsere Internetseite auch auf englisch geben.

Jetzt kommt doch noch ein allerletzter Punkt: Ein mapapu für ein Trennungskind verdeutlicht den sich Trennenden noch einmal ihre Gemeinsamkeit: das Kind. Ich bin mir sicher, daß irgendwann ein Brief bei uns ankommt, der genau diese Sicht auf die Gemeinsamkeiten schildert. In diesem Brief wird weiter geschrieben, daß die sich Trennenden doch noch einen Versuch gewagt haben, beisammen zu bleiben. Ich weiß, daß irgendwann ein mapapu eine zerrüttete Ehe kitten wird. In fünf Jahren halte ich diesen Brief in meinen Händen – und freue mich sehr!

Weitere Informationen finden Sie hier

Wir bedanken uns bei Hendrik Lind für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

About Sabine Elsaesser

Sabine Elsässer ist seit 2008 Leitende Redakteurin des UNITEDNETWORKER. Seit Anfang der 1990ern bis zum Jahre 2007 hat Sie mit Ihrem Mann Markus Elsässer für verschieden Direct Selling Unternehmen große Internationale Vertriebsorganisationen aufgebaut. Seit einigen Jahren schlägt Ihr Herz für die Startup und Crowdfunding Szene, die Sie nicht nur durch die Magazine sondern auch als Investor und Mentor unterstützt.

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