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PHI blades Team

PHI blades Rotorblätter für Windkraftanlagen

PHI blades Rotorblätter dreißig Prozent günstiger mit einer Lebensdauer von über fünfundzwanzig Jahren

Stellen Sie sich und Ihr Startup Unternehmen PHI blades doch kurz vor!
Das Geschäftsmodel und die Produktidee von PHI blades sind verglichen mit vielen anderen Startups eher unkonventionell. Wir stellen ein Produkt her, das von Unternehmen gekauft wird, dass einen sechsstelligen Betrag kostet und das nicht digital ist – Rotorblätter für Windkraftanlagen. Durch einen innovativen Material- und Fertigungsansatz ist es uns gelungen, eine Technologie zu entwickeln, mit der Rotorblätter dreißig Prozent günstiger angeboten werden können und die dabei auf eine Lebensdauer von über fünfundzwanzig Jahren ausgelegt sind. Sowohl die niedrigere Preise von insbesondere Rotorblättern über 60m aber auch eine hohe und verlässliche Qualität sind zu den wesentlichen Anforderungen unserer Kunden geworden. Dabei haben wir ein Material wiederentdeckt das lange Zeit in Vergessenheit geraten ist – Holz.

Wie ist die Idee zu PHI blades entstanden und wie haben Sie sich als Gründerteam zusammengefunden?
In der Windenergie wurden im letzten Jahrhundert noch Rotorblätter aus Holz für kleinere Windkraftanlagen gefertigt. Auch Türme für Windkraftanlagen werden mittlerweile hergestellt. Und sogar die Propeller von Kunstfliegern, wie etwa bei dem Red Bull Air Race, bestehen vollständig aus Holz.Daher kam im Jahr 2012 die Frage auf, warum neben Türmen aus Holz nicht auch Rotorblätter aus Holz insbesondere für die heutigen größeren Windkraftanlagen eingesetzt werden könnten. Dass dies möglich ist, wurde in Gesprächen mit mehreren selbsternannten Experten zunächst bezweifelt. Da allerdings niemand den Beweis erbringen konnte, warum Rotorblätter aus Holz weder technisch noch ökonomisch sinnvoll wären, haben wir versucht das Gegenteil zu zeigen. In Zusammenarbeit mit dem Wind Energy Technology Institute (WETI) der FH Flensburg und nach zwei Jahren der Forschung und Entwicklung konnten wir 2013 den generellen Beweis der Machbarkeit von Rotorblättern aus Holz und Carbon erbgingen. Nicolas Hoyer, verantwortlich für die Entwicklung bei PHI blades, hatte nicht nur die entscheidende Masterarbeit des WETI von Rasmus Borrmann betreut, sondern war auch bei der Konzeption des Fertigungsverfahrens eine treibende Kraft. Nicolas war damals als technischer Berater für die Firma TimberTower tätig und lernte dort Gregor Prass, den damaligen Geschäftsführer von TimberTower kennen. Gregor konnte durch seine Erfahrung in der Konstruktion von Bauwerken aus Holz der Idee viele Impulse geben. Schnell zeigte sich, dass die Idee eines Rotorblattes aus Holz anstelle von glasfaserverstärktem Kunststoff weiter verfolgt werden sollte. Durch Philipp von Gartzen, den Nicolas seit über zehn Jahren der Zusammenarbeit in verschiedenen Projekten kannte haben wir 2014 unser Gründungsvorhaben die um kaufmännische Komponente vervollständigt.

Von der Idee bis zum Start was waren die größten Herausforderungen und wie haben Sie sich finanziert?
Der Weg von der Idee bis hin zum heutigen Tag war schwer und auch nicht ohne Rückschläge. Die wohl größte Herausforderung am Anfang war für uns, dass die Unternehmensentwicklung über einen sehr langen Zeitraum in unserer Freizeit stattgefunden hat. Gregor konnte während seiner Zeit bei TimberTower weder operativ noch aus Zeitgründen an der Entwicklung mitarbeiten. Und auch Nicolas und Philipp arbeiteten zu über 100% bereits in verschiedenen Beratungsprojekten. Wir wussten aber auch, dass die Gründung eines Unternehmens und vor allem eine Finanzierung nur möglich wären, wenn die technischen und kaufmännischen Hausaufgaben gemacht sind. Daher haben wir viel Energie in unseren Business Plan investiert, der die Grundlage für unsere Unternehmensplanung und die Investorensuche war. Und als zweites war genau diese Investorensuche die größte Hürde für uns. Es zeigte sich nämlich, dass durchgängig alle Venture Capitalist durchaus von unserer Produkt- und Geschäftsidee überzeugt waren, aber dass Ihnen das Risiko in dieser frühen Phase doch zu hoch war. Sobald wir die ersten Prototypen und Kunden vorweisen kommen sind wir überall gerne wieder willkommen. Die Frage bleibt dann natürlich wie hoch dann überhaupt noch das Risiko für einen VC ist. Über etwas mehr Risikoaffinität hätten wir uns also sehr gefreut. Dass wird die Hürde der Finanzierung überschritten haben, verdanken wir einem strategischen Investor, der selber Windkraftanlagen errichtet und betreibt oder anschließend verkauft. Er war von Anfang an von unserem Ansatz überzeugt und finanziert uns nun bis zur Errichtung unseres ersten Prototyps im kommenden Jahr.

Wer ist die Zielgruppe von PHI blades?
Unsere Zielgruppe sind im engeren Sinn die nationalen und internationalen Hersteller von Windkraftanlagen (WKA). Diese fertigen die Komponenten einer WKA entweder selber oder beziehen diese von Komponentenlieferanten, wie z.B. Rotorblätter von PHI blades. Hinter den Windkraftanlagen stehen als indirekte Kunden von uns die Betreiber bzw. auch Investoren von WKA oder WKA-Parks. Und diese letztgenannten Kunden treffen letzten Endes die Kaufentscheidung für eine WKA, welche darauf zu einer Auslieferung bei einem Komponentenlieferanten führt.
Für uns ist wichtig, dass wir zunächst mit einem WKA-Hersteller in der Form kooperieren, dass WKA und Rotorblatt eine abgestimmte Einheit bilden. Dafür müssen unsere Rotorblätter in der technischen Auslegung an die spezifische WKA angepasst werden. Erst wenn dies geschehen ist, kann ein WKA-Hersteller seine WKA mit den Rotorblättern von PHI blades auf dem Markt anbieten. Daher sind die WKA-Hersteller nicht nur Kunde sondern auch Entwicklungspartner und auch im weiteren Sinne Vertriebspartner von uns.

Aus welchem Material bestehen die Rotorblätter?
Neben unserem Herstellungsverfahren ist genau das Material eines PHI blades unsere Innovation. Die Rotorblätter von PHI blades werden überwiegend aus Holz und zu einem sehr geringen Anteil aus Carbon bestehen. Das verwendete Furnierschichtholz ist keineswegs ein veralteter oder dem GFK unterlegener Werkstoff. Im Gegenteil besitzt Holz zwei wesentliche und für die Konstruktion von Rotorblättern sehr vorteilhafte Eigenschaften. Holz gilt im Hinblick auf die Ermüdungsfestigkeit als „nahezu unschlagbar“ und verfügt darüber hinaus über eine hohe spezifische Steifigkeit. Gepaart mit den deutlich geringeren Kosten von Holz gegenüber GFK können wir unseren Kunden sowohl ein Produkt anbieten, dass nicht nur qualitativ sondern auch vom Preis her den Konkurrenzprodukten in vielerlei Hinsicht überlegen ist.

Wo werden die Rotorblätter gefertigt?
Für ein Start-up ist es verständlicher Weise kaum möglich, eine eigene Fertigungslinie zu finanzieren. Wir kooperieren daher in den ersten Jahren mit externen Fertigungspartnern zusammen, um insbesondere die ersten Prototypen zu fertigen. Ein wichtiger Bestanteil unseres Fertigungsprozesses ist das Fräsen des PHI blades Holkörpers anstatt die üblichen Formen im GFK-Herstellungsverfahren zu verwenden. Der Hersteller der eingesetzten Fräse, die Firma EEW Protec, wird zum Beispiel den Fertigungsprozess unseres ersten 25 Meter langen Prototyps mit durchführen.

PHI blades,wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?
Die kommenden drei Jahre stehen bei uns ganz im Zeichen der Prototypentwicklung. Wir werden die Länge unsere Rotorblätter dabei schrittweise auf eine Länge von über 60m erhöhen. Im Anschluss an die Entwicklung planen wir den Aufbau einer Fertigungslinie, um als eigenständiger Rotorblatthersteller den Markt bedienen zu können. Dass es bis zu diesem Zeitpunkt ein langer Weg ist auf dem wir noch viele insbesondere technische Herausforderungen meistern müssen motiviert uns eher als dass es uns Kopfschmerzen bereitet. Wir wissen sehr gut, was vor uns liegt und werden in diesen drei Jahren eher die ökonomisch sinnvollsten Lösungsansätze testen als dass wir überhaupt eine technische Lösung finden müssen. Wenn wir in fünf Jahren unsere Ziele erreicht haben sollten, dann können wir auf eine PHI blades Fertigung schauen, die nicht nur über 50 Mitarbeiter beschäftigt sondern auch die ersten Rotorblätter aus Holz und Carbon in Serie fertigen wird.

Zum Schluss: Welche Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?
Die wesentlichen Tipps, die wir haben, sind nicht neu, sollen aber ihre Wichtigkeit unterstreichen. Hätten wir nicht danach gehandelt, würde PHI blades vermutlich nicht dort stehen, wo wir heute stehen (auch wenn wir noch ein sehr junges Unternehmen sind).
Angehenden Gründern, die ein ähnliches Produkt auf den Markt bringen wollen, raten wir dazu, ihre Strategie auf die Errichtung von Prototypen auszurichten. Ohne ein physischen proof of concept werden weder Kunden noch Investoren größere Summen in ein Unternehmen investieren. Des Weiteren sind sowohl Branchenkenntnisse als auch sehr gute Branchenkontakte unverzichtbar, um Produkte mit einer überschaubaren Anzahl an Kunden vertreiben zu können. Mit am wichtigsten ist aber vermutlich die Fokussierung auf seine eigenen Ziele. Jedes Start-up muss genau wissen, was und wie es etwas erreichen will. Rückschläge werden kommen. Es gibt aber immer einen anderen Weg, um sein Ziel zu erreichen. Nur wegen eines Rückschlages sollte aber nicht das Ziel sondern der Weg in Frage gestellt werden.

Weitere Informationen finden Sie hier

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

About Sabine Elsaesser

Sabine Elsässer ist seit 2008 Leitende Redakteurin des UNITEDNETWORKER. Seit Anfang der 1990ern bis zum Jahre 2007 hat Sie mit Ihrem Mann Markus Elsässer für verschieden Direct Selling Unternehmen große Internationale Vertriebsorganisationen aufgebaut. Seit einigen Jahren schlägt Ihr Herz für die Startup und Crowdfunding Szene, die Sie nicht nur durch die Magazine sondern auch als Investor und Mentor unterstützt.

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