Sonntag, Juni 23, 2024
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Dynamik oder Dilemma?

Digitalisierung ist in aller Munde – jedoch noch nicht in allen Köpfen und sie ist auch nicht im betrieblichen Alltag vieler Unternehmen angekommen. Ganz im Gegenteil: Laut dem Digitalisierungsindex des Bundeswirtschaftsministeriums geriet die deutsche Wirtschaft 2023 weiter ins Hintertreffen, wobei insbesondere große Betriebe mit 250 Beschäftigten und mehr zurückfallen. Im internationalen Vergleich belegte Deutschland im Ranking zur digitalen Wettbewerbsfähigkeit im vergangenen Jahr nur Platz 23. Eine fatale Entwicklung – denn die Anwendung digitaler Technologien ermöglicht es Unternehmen, effizienter zu arbeiten und innovative Produkte wie künstliche Intelligenz einzusetzen und ihre Produktivität zu steigern. Innovationen, Forschung und gesellschaftlicher Fortschritt – das alles hängt letztendlich vom Ausbau digitaler Infrastruktur ab.

Zukunftsmusik oder Gegenwartsklänge?

Mit Veränderungen tun sich viele Unternehmen oft schwer. Fehlendes Know-how und fehlende Ressourcen stellen die häufigsten Fallstricke in Sachen Digitalisierung dar. Kommen hier Sicherheitsbedenken, Regulierungs-beschränkungen und potenziell hohe Investitionskosten hinzu, wird die Einführung neuer Technologien oder digitaler Prozesse schnell ausgebremst. Herrscht im Betrieb zudem das Prinzip „Haben wir schon immer so gemacht“, wird es schwer, Mitarbeitende, die Kundschaft oder Stakeholder in der Führungsetage für notwendige Veränderungen zu begeistern.

Aber es gilt: Die Digitalisierung ist alternativlos, worauf also warten? 60 Prozent aller Jobs werden sich in entwickelten Volkswirtschaften durch KI verändern, so eine aktuelle Prognose des Internationalen Währungsfonds. Dabei attestieren die Autor:innen in ihrem „AI Preparedness Index“ Deutschland in puncto digitaler Infrastruktur, Innovationsfähigkeit, Humankapital, gesetzlicher Regelungen und Arbeitsmarktpolitik gute Chancen, die KI-Revolution zu meistern. Vorausgesetzt das Geschäftsmodell stimmt und Mitarbeitende werden befähigt digital durchzustarten.

Automatisch, digital?

Für den Wandel des eigenen Geschäftsmodelles oder der Transformation einzelner betrieblicher Prozesse bilden Investitionen in die dafür notwendigen Technologien, individuellen Software-Lösungen und Tools die Basis. Digitalisierung allerdings als reine Technikprojekte zu verstehen, ist ein weiterer Fehler. Vielmehr impliziert Change eine fundamentale Neuausrichtung von Organisationen, Projekten und Zusammenarbeit. Anstatt bei der Einführung von Chatbots, Enterprise-Service-Management-Systemen oder anderen digitalen Anwendungen sequenziell vorzugehen und erst im letzten Prozessschritt an die Unternehmenskultur zu denken, gilt es iterativ zu handeln. Das heißt: Bedürfnisse oder Bedenken aller Beteiligten müssen fortwährend Berücksichtigung finden. Nur so lässt sich auf einen kontinuierlichen Wandel von Kultur und Mindset hinarbeiten.

Künstliche Intelligenz vs. Human Resources?

Fehlendes Know-how und fehlende Ressourcen erschweren die Einführung neuer Technologien oder digitaler Prozesse ebenso oft wie die mangelnde Unterstützung an den richtigen Stellen. Entgegen aller dualistischen Theorien arbeiten HR und KI nicht automatisch gegeneinander, sondern entfalten vor allem im Zusammenspiel Synergien – insbesondere in puncto Mitarbeiter-Empowerment. Sind Beschäftigte von Anfang an eingebunden, entwickeln sie oft eine höhere Anpassungsfähigkeit und sind eher bereit, neue Fähigkeiten zu erlernen, um etwa interne Projekte erfolgreich umzusetzen.

Zudem verstehen sie sich selbst als integralen Teil des Transformationsprozesses, wenn nicht nur das Gefühl entsteht, dass ihre Ideen geschätzt werden, sondern dieses tatsächlich auch passiert und sich ausdrückt. Das fördert sowohl eine funktionsfähige Innovationskultur als auch eine positive Arbeitsumgebung mit entsprechender Wirkung auf Effizienz und Zufriedenheit aller Beteiligten. Unternehmen, die ihre Mitarbeitenden hier nicht aktiv fördern und in den Transformationsprozess einbinden, laufen Gefahr, die Vorteile der innovativen Möglichkeiten nicht voll auszuschöpfen und Potenzial der Mitarbeiter ungenutzt verpuffen zu lassen.

Strategie gefragt

Für einen gelungenen Transformationsprozess benötigt es sowohl den richtigen Kurs als auch die passende Balance zwischen Change und Stabilisierung. Das erfordert nicht nur eine Außensicht, etwa durch neutrale Dritte, sondern auch eine methodische Herangehensweise, die Menschen, Prozesse und Technik gleichermaßen umfasst und auf die spezifischen Bedürfnisse des Betriebs eingeht. Zu Beginn jedes Transformationsprozesses müssen klare Ziele vonseiten der Unternehmen formuliert werden.

Dafür müssen sich alle Beteiligten intensiv damit auseinandersetzen, was sie in der Praxis erreichen möchten, wer welchen Nutzen daraus zieht und wie sich dieser skalieren und messen lässt. Als Motor für den permanenten Wandel obliegt es dabei Führungskräften und dem mittleren Management, Sicherheit zu vermitteln und auf Kommunikation, Kollaboration und Kooperation zu setzen. Im Rahmen ihrer Vorbildfunktion gilt es Offenheit für Neues zu demonstrieren. In einer Ära des beschleunigten technologischen Fortschritts geht das einher mit kontinuierlichem Upskilling – insbesondere, wenn es um Know-how bei der Planung und Abwicklung von Projekten, Methoden und Tools zur Gestaltung von Wandel sowie die Weiterentwicklung digitaler Geschäftsmodelle geht.

Entsprechend wichtig ist es, dass sich Entscheider Zeit nehmen und in maßgeschneiderten Schulungsprogrammen, Workshops und Digital Masterclasses ihre Kompetenzen erweitern. Externe Berater können hier die richtigen Impulse setzen, um ein Verständnis von Digitalisierung und Transformation sowie die nötige Expertise zu entwickeln. Als neutrale Dritte geben fachkundige Experten den betreffenden Unternehmen gezielt Anreize, um die Anforderungen des digitalen Wandels zu reflektieren und mögliche Barrieren abzubauen.

Bild: © Claudia Masur für Argestes M anagementberatung GmbH©claudiamasur.com

Autor

Jens Löbbe ist Gründer und Geschäftsführer der Argestes Managementberatung GmbH, Dozent an der Hamburg School of Media und zertifizierter Trainer für Business Model Generation nach Alexander Osterwalder.

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

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