Dienstag, Februar 27, 2024
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EZB: Daten deuten auf eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte

Die EZB-Sitzung kommentieren Katharine Neiss, Chief European Economist und Guillermo Felices, Global Investment Strategist bei PGIM Fixed Income:

Wir haben eine Reihe von Daten aus der Eurozone erhalten, die uns dazu bewegen, für die Sitzung am Donnerstag eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte zu erwarten. Das BIP-Wachstum in der Eurozone lag in der vergangenen Woche bei bescheidenen 0,1 % und entsprach damit weitgehend der Konsensmeinung. Heute wurden die Ergebnisse der Umfrage zur Kreditvergabe der Banken für das erste Quartal veröffentlicht, die Anzeichen für einen doppelten Dämpfer durch die Straffung der Geldpolitik auf die Kreditnachfrage und die Auswirkungen der Anfälligkeit des US-Bankensektors auf das Kreditangebot zeigen. Einige der Zahlen in dem Bericht sind sehr aufschlussreich. So ist die Nettokreditnachfrage der Unternehmen stärker als erwartet und so stark wie seit der globalen Finanzkrise nicht mehr gesunken. Auch bei der Inflation gab es heute keine Überraschungen. Wie erwartet zeigten die Flash-Daten für April, dass sich die Inflation im Großen und Ganzen seitwärts bewegt. Die Kerninflation blieb weitgehend unverändert, was jedoch eine Verbesserung gegenüber dem vorherigen Aufwärtstrend darstellt. Am bemerkenswertesten ist vielleicht, dass die Inflation bei Nahrungsmitteln begonnen hat zu sinken, was darauf hindeutet, dass die indirekten Auswirkungen der höheren Energiepreise allmählich nachlassen. Die Kerninflation könnte bald folgen. All dies bestärkt uns in unserer Einschätzung nach einer Zinserhöhung um 25 Basispunkte bei der EZB-Sitzung am Donnerstag. Der Markt hatte eher auf 50 Basispunkte und einen Leitzins von 3,75 % getippt, nachdem einige Mitglieder des EZB-Rats eine weitere Anhebung um 50 Basispunkte gefordert hatten. Die Daten deuten jedoch darauf hin, dass die EZB eher von 50 Basispunkten auf 25 Basispunkte zurückgehen wird, nicht zuletzt, um angesichts der anhaltenden Schwäche des US-Bankensektors vorsichtiger zu sein. Um auch die „hawkisheren“ Mitglieder des EZB-Rats zufrieden zu stellen, rechnen wir mit der Ankündigung einer Beschleunigung des Bilanzabbaus in der zweiten Jahreshälfte. Die flexible Reinvestition des PEPP dürfte beibehalten werden, wobei der TPI als Stütze zur Begrenzung der italienischen Spreads dienen wird.

EZB: Spagat zwischen Preis- und Finanzstabilität wird immer schwieriger

Von Guillermo Felices, Global Investment Strategist bei PGIM Fixed Income

EZB

Die risikoreicheren Anlagen in der Eurozone haben sich nach dem Stress im Bankensektor Mitte März bemerkenswert widerstandsfähig gezeigt. Sowohl die Spreads der Euro Investment Grade als auch der High-Yield-Anleihen sind enger geworden, und die Aktienkurse im Euroraum sind seither gestiegen. Auch die Kurse von Staatsanleihen haben sich stabil entwickelt. Die Renditen deutscher Anleihen fielen Mitte März aufgrund der gestiegenen Risikoaversion und der Erwartung einer geringeren Straffung der EZB rapide, sind aber seitdem allmählich wieder gestiegen. Die heute veröffentlichten Daten zur Kreditvergabe im ersten Quartal verdeutlichen, dass die geldpolitische Straffung erhebliche Auswirkungen auf die Kreditbedingungen hat. So wie in den USA neigen umfragebasierte Indikatoren für die Kreditbedingungen dazu, dem Konjunkturzyklus vorauseilend zu folgen, und wenn sie sich drastisch verschlechtern, spüren das in der Regel auch die Preise für Vermögenswerte.

Knifflig ist die Frage nach dem Zeitpunkt des Wendepunkts an den Märkten. Es handelt sich um eine klassische spätzyklische Dynamik, bei der die Wirtschaft weiterhin in Schwung kommt, insbesondere nach der Pandemie und vor allem in der Peripherie. Aber gleichzeitig beginnen die strengeren Geld- und Kreditbedingungen, sich tiefer in der Wirtschaft zu verankern. Die europäischen Vermögenswerte haben die ersten Anzeichen einer wirtschaftlichen Verschlechterung weitgehend ignoriert. Es ist schwierig, die Wendepunkte genau zu bestimmen, vor allem wenn die Fundamentaldaten der Unternehmen und die makroökonomischen Daten solide bleiben. Wir haben den Eindruck, dass die Märkte die aufkommenden Risiken zu gelassen hinnehmen und daher anfällig für negative Meldungen sind. Die Anleger wissen, dass sich die Aussichten allmählich verschlechtern, und sind defensiv positioniert. Das führt paradoxerweise dazu, dass die Illusion von Ruhe entsteht, da die Verkäufer rar sind und kaum neue Unternehmenskredite angeboten werden. Die Märkte brauchen Auslöser, damit sich dieses günstige Gleichgewicht wieder einstellt, und das offensichtliche Ereignis, auf das man achten sollte, ist die EZB-Sitzung am Donnerstag. Für die EZB wird es immer schwieriger, den Spagat zwischen Preis- und Finanzstabilität zu meistern, und das macht die Sitzung am Donnerstag besonders interessant.

EZB: Daten deuten auf eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte

Fotos der beiden Autoren Katharine Neiss und Guillermo Felices (Quelle für beide: PGIM Fixed Income)

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