Donnerstag, April 25, 2024
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Richtiges Risikomanagement – Lehren aus der SVB-Pleite

Der Crash der Silicon Valley Bank – der Hausbank der amerikanischen Tech-Branche – hat vor einigen Tagen auch die Start-up- und Venture-Capital-Szene in Deutschland in einen Schockzustand versetzt. Inzwischen ist klar, dass die Branche auf beiden Seiten des Atlantiks vergleichsweise glimpflich davongekommen ist. Die Sicherheit, die die US-Behörden mit einer schnellen Einlagengarantie herstellten und die Übernahme der britischen SVB-Tochter durch die Großbank HSBC hat die Branche wieder beruhigt. Zudem gibt es in Deutschland kaum direkt Betroffene. Die deutsche SVB-Tochter habe „keine systemische Relevanz“, betonte die deutsche Aufsichtsbehörde Bafin. 

Dennoch sollte der Sturz der SVB ein lauter Weckruf für alle Gründer:innen und Investor:innen in Deutschland sein.

Wir werden uns in der nächsten Zeit auf Unsicherheiten und Kapitalengpässe einstellen müssen. Für Unternehmen und CFOs wird ein effizientes Finanzmanagement und eine vorausschauende Kapitalplanung wichtiger denn je, denn das Geld sitzt lange nicht mehr so locker wie noch vor einem Jahr. Wer jedoch sein Risikomanagement stark optimiert, frühzeitig mit dem Investoren-Reporting beginnt und die Liquidität engmaschig kontrolliert, wird diese Krise gut überstehen. Auch die Umverteilung von Geldern auf mehrere Banken ist jetzt ein Muss. 

Kapitalengpässe vorhersehen

Es ist wichtig zu erwähnen, dass die Finanzierungslage für Start-ups schon vor der SVB-Pleite angespannt war. Risikokapitalgeber sind aufgrund der anhaltenden Inflation, steigender Zinsen und dem Rezessionsumfeld seit Monaten äußerst penibel bei der Due Diligence. 

Der Crash der SVB, gekoppelt mit weiteren Negativschlagzeilen rund um die New Yorker Signature Bank, Silvergate, First Reserve und zuletzt die Übernahme der Schweizer Credit Suisse durch UBS, hat die Unsicherheit am Markt weiter verstärkt. Auch wenn die US-Behörden die Einlagen der SVB garantiert haben und die HSBC mit ihrer Übernahme der britischen Tochter die Einlagen in Europa gesichert hat, bleiben die Finanzmärkte weiterhin volatil. In der Folge werden Banken, Venture Capitalists und Private-Equity-Firmen noch vorsichtiger bei der Kapitalvergabe. Auch die Zinsen stiegen trotz der Turbulenzen im Bankensektor vorerst weiter an und machen Kredite teurer. Kurz gesagt: Kapital wird knapper. 

Kontrolle durch Finanzmanagement

Umso wichtiger ist es, dass Unternehmen ihre Liquidität und Bilanz im Blick haben. Liquiditätsplanung und Cash Runway sind die wichtigsten Variablen, auf die Start-ups jetzt achten sollten. Nur so lässt sich ein nachhaltiges Liquiditätsmanagement sicherstellen. Das Schließen von Finanzierungsrunden dauert oft über ein halbes Jahr: Banken oder VCs werden Geschäftsmodelle und Bilanzen länger und intensiver prüfen. In der Folge müssen Start-Ups auch  niedrigere Unternehmensbewertungen in Kauf nehmen.

Auch Start-ups, die bereits fremdfinanziert sind, sollten frühzeitig mit dem Investoren-Reporting beginnen und ihre Buchhaltungsdaten gut organisieren, da Investoren hier genauer hinschauen. Ab einer Größe von ungefähr 10 Mitarbeitenden können die Finanzen nicht mehr über das Bankkonto gesteuert werden. Ab diesem Zeitpunkt sollten alle Daten von der Budgetplanung bis zum Soll-Ist-Vergleich seriös, überschaubar und einfach darstellbar sein.

Die Budgetierung rückt stärker in den Fokus. Welche Kosten kann ich planen bzw. vorhersagen, weil sie fix sind? Welche Kosten sind verhandelbar und welche Ausgaben kann ich vorerst streichen? Excel-Tabellen reichen nicht mehr aus für Budgetierung oder Soll-Ist-Vergleich. Für die Darstellung und strategische Planung gibt es effizientere Tools. 

Verteilung der Bankkonten

Es setzt sich die Erkenntnis durch, dass nicht nur das Finanz- und Risikomanagement der eigenen Daten wichtig ist, sondern auch die Risiken der Banken, auf denen das Geld liegt, neu bewertet werden müssen. Nach dem Motto “Don’t put all your eggs in one basket” sollten viele Unternehmen und VCs ihr Geld auf verschiedene Banken verteilen und nicht nur bei einem Institut parken. Sollte eine Bank ausfallen, können Gehälter und Rechnungen von anderen Banken bezahlt werden. Ich empfehle hier mindestens zwei Hausbanken, am besten solche, die als systemrelevant gelten, also zu den Global Playern der Bankenbranche gehören. 

Autor:

Franz Salzmann ist Gründer und CEO von Helu.io, dem deutschen Marktführer für einfaches und kollaboratives Finanzmanagement für Start-ups und mittelständische Unternehmen. Vor der Gründung von Helu.io begleitete Salzmann als Unicorn-Investor und ehemaliger Speedinvest Partner das Wachstum vieler erfolgreicher Scale-ups wie Wefox oder Adverity.

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Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

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