Montag, Februar 9, 2026
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Waffengeschenke für Polen: Ischingers Vorschlag trifft auf Skepsis

München (dts Nachrichtenagentur) – Der Vorschlag des Vorsitzenden der Münchner Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger, Polen Waffensysteme zu schenken, um dem Nachbarstaat Sorgen vor der Aufrüstung der Bundeswehr zu nehmen, trifft unter deutschen Politikern und Sicherheitsexperten auf Skepsis.

„Es mutet ein wenig bizarr, vielleicht sogar paternalistisch an, wenn man einem Land, das seit einigen Jahren sehr entschieden und erfolgreich dabei ist, eine der stärksten konventionellen Streitkräfte in der Nato aufzubauen, Waffensysteme schenken will“, sagte Carlo Masala, Professor für internationale Politik an der Bundeswehr-Universität München, der „Welt“. „Normalerweise machen wir das eher mit kleineren Staaten des globalen Südens im Rahmen der Ertüchtigungsinitiative, die nicht über entsprechende Finanzmittel verfügen, um ihre Streitkräfte mit modernem Gerät auszustatten.“

Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP), Vorsitzende des Verteidigungsausschusses im Europäischen Parlament, erinnert an die Äußerungen von Radoslaw Sikorski aus dem Jahr 2011, als der polnische Außenminister im Kontext der Euro-Krise sagte: „Ich habe weniger Angst vor einem starken Deutschland als vor einem schwachen“. Deshalb gelte, sagte Strack-Zimmermann der „Welt“: „Wir sollten uns also beim Aufbau einer gemeinsamen europäischen Verteidigung, und da wartet ganz Europa darauf, nicht ablenken, geschweige denn benutzen lassen – weder von der Handvoll derer, die behaupten, man müsse Angst vor sogenannter deutscher Dominanz haben, noch von den ewig Gestrigen, die aus rein innenpolitischen Gründen das polnische Narrativ der Reparationszahlungen füttern.“

Ablehnend gibt sich auch Thomas Erndl (CSU), verteidigungspolitischer Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag. „Eine starke Bundeswehr schützt Deutschland und seine Verbündeten. Unsere Anstrengungen gelten daher der materiellen und personellen Modernisierung der Streitkräfte – als sichtbarer Ausdruck deutscher Verantwortungsübernahme für die europäische Sicherheit, die wir gemeinsam mit unseren Partnern sicherstellen“, sagte Erndl der „Welt“. Das werde gerade in Osteuropa geschätzt. „Wenn wir alle unsere Anstrengung auf die schnelle Erweiterung unserer militärischen Fähigkeiten und damit die Garantie unserer europäischen Sicherheit legen, werden meines Erachtens historische Befindlichkeiten eher eine untergeordnete Rolle spielen.“

Der außenpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Adis Ahmetovic, sagte der „Welt“: „Die Analyse von Wolfgang Ischinger weist zu Recht darauf hin, dass Deutschland in den kommenden Jahren eine besonders große Verantwortung tragen wird – nicht zuletzt, weil die US-Regierung unter Trump ihre Bündnistreue zunehmend selbst infrage stellt. Europa muss deshalb den eigenen Beitrag innerhalb der Nato deutlich stärken.“ Aus historischer Sicht sei es nachvollziehbar, „dass einige unserer Partner, etwa Frankreich oder Polen, dabei mitunter Zurückhaltung zeigen. Vertrauen entsteht jedoch nicht durch symbolische Gesten wie militärische Geschenke, sondern durch verlässliche und enge Zusammenarbeit. Deshalb gilt es, bewährte Formate wie das Weimarer Dreieck konsequent zu vertiefen und weiterzuentwickeln.“

„Dieser schräge Vorschlag irritiert mehr, als dass er hilft“, findet die sicherheitspolitische Sprecherin der Grünen, Agnieszka Brugger. Es gehe um Vertrauen, Kooperation, Führung und Entschlossenheit: „Das kann man weder allein mit Geld noch mit Worten oder militärischer Hardware kaufen, das muss man sich mit Taten und Mut erarbeiten.“ Es sei zudem wenig hilfreich, „so eine befremdliche Idee dann auch noch mit der sehr sensiblen und schwierigen Frage rund um Reparationen zu vermengen“.

Auch sie nehme die besorgten Fragen von Partnern wahr, dass Deutschland militärisch und politisch zu dominant werden könnte in Europa, so Brugger. „Diese Sorgen beziehen sich gar nicht so sehr auf abstrakte Zahlen von Panzern, sondern hängen oft mit der Frage zusammen, ob die politischen Kräfte und das extreme Gedankengut wieder mehr Einfluss in Deutschland erhalten, die unsere Nachbarn und Freunde an die düstersten Kapitel der deutschen Geschichte erinnern“, sagte die Grüne.

Hans-Peter Bartels, Präsident der Gesellschaft für Sicherheitspolitik, zeigt sich dagegen aufgeschlossen. Die Bundeswehr habe Probleme, ausreichend Personal für die bestellten Waffensysteme zu rekrutieren, deshalb sei Ischingers Vorschlag erwägenswert: „Polen verteidigt auch uns.“ Der CDU-Außenpolitiker Roderich Kiesewetter hält die Idee ebenfalls „für grundsätzlich überlegenswert, aber nicht ausreichend, um das Misstrauen abzubauen. Wir können uns aus der Verantwortung, Europa zu verteidigen, nicht herauskaufen, indem wir nur ein paar Panzer verschenken“, sagte Kiesewetter der „Welt“.

Deutschland solle eher überlegen, so der Christdemokrat, eine „Vorwärtsstationierung von Material“ vorzunehmen, also in Polen und dem Baltikum zusätzlich Flugabwehrsysteme und weitreichende Wirkmittel zu deponieren. „Auch wäre es sinnvoll, ähnlich der deutsch-niederländischen Kooperation zum Beispiel eine deutsche Brigade oder mehrere Bataillone in die polnischen Streitkräfte zu integrieren“, so Kiesewetter. „Eine solche personelle Kooperation würde meines Erachtens wesentlich deutlicher machen, dass Deutschland seine Kampfkraft auch für unsere Partner im Bündnis einsetzt und nicht nur für die eigene Landesverteidigung vorhält.“


Foto: Wolfgang Ischinger am 09.02.2026, via dts Nachrichtenagentur

Foto/Quelle: dts

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