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Samstag, November 26, 2022

Biodiversität am Limit – Wie ein Startup die Artenvielfalt mittels KI schützen will

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Pestizide in der Landwirtschaft, trockene Sommer und vor allem die zunehmende Versiegelung der Landschaft: Bienen haben es nicht leicht in Deutschland. Sowohl die Anzahl als auch die Artenvielfalt sei in den vergangenen drei bis vier Jahren massiv zurückgegangen. Längst ist bekannt, dass Bienen für den Erhalt der Natur und der Nahrungsmittel für uns Menschen lebensnotwendig sind. Dieser Herausforderung stellt sich das italienische Agritechnologie-Startup 3Bee.

Das Unternehmen arbeitet täglich daran, Bienen durch neueste Technologie mittels Künstlicher Intelligenz (KI) zu schützen und die Artenvielfalt durch verschiedene Projekte zu verbessern. Mit der von 3Bee entwickelten Technologie „Hive-Tech“ (Bienenstock-Technologie) und Big-Data-Analysen ermöglicht das Unternehmen Imkern, die Sterblichkeitsrate ihrer Bienen zu senken. Jetzt sollen in Deutschland 1,5 Millionen Euro in den Schutz der Bienen investiert und neue Mitarbeiter eingestellt werden. 

Bis zu eine Million Tier- und Pflanzenarten drohen in wenigen Jahrzehnten auszusterben. Experten warnen bereits vor dem Kipppunkt für das Ökosystem. Auch die Bienen sind massiv davon betroffen. Sowohl Anzahl wie auch Artenvielfalt ist in den letzten Jahren um 20 Prozent geschrumpft. Neue Bienenstock-Technologien und Künstliche Intelligenz sollen die Katastrophe verhindern und die Biodiversität erhalten. Ganz vorne mit dabei das AgriTech Startup 3Bee, das mit seinem Bienenstock 4.0 mittels IoT (Internet of Things)-Sensoren den Gesundheitszustand von Bienen messen kann.

Rund fünf Millionen Euro hat das Startup unter anderem von AGfunder, einem im Agrartechnologiesektor namhaften Investmentfonds, und der ESA, der Europäischen Weltraumorganisation eingesammelt. Letztere hat bereits 750.000 Euro für die Untersuchung der Artenvielfalt durch Satelliten bereitgestellt. Das Kapital soll nun großteils in die Expansion nach Deutschland und Frankreich fließen:  „Unser Ziel ist es, mit einem Team von vier Fachleuten in Deutschland zu starten. Wir wollen brillante Talente einstellen, um unsere Mission zum Schutz der Bienen und der biologischen Vielfalt zu unterstützen“, erklärt Niccolò Calandri, CEO von 3Bee. „Wir sind zuversichtlich, dass die Expansion etwas ist, was das Unternehmen tun muss, und dass jetzt der richtige Zeitpunkt dafür ist“, so Niccolò Calandri. Die letzten sechs Jahre haben die nötige Erfahrung und Zeit gebracht, um die Technologie stetig weiterzuentwickeln.

Dies helfe nun in den neuen Märkten mit geringeren Investitionen schneller rentabel zu werden. „Um beim Schutz der Biodiversität wirklich etwas bewirken zu können, werden wir 1,5 Millionen Euro innerhalb der nächsten 18 Monate in Deutschland investieren“, so Calandri.

Die Technologie hinter dem Bienenstock 4.0

Wie Bienen und künstliche Intelligenz zusammenpassen zeigt das Startup eindrucksvoll mit dem „HiveTech“, dem Bienenstock 4.0. Dieser besteht aus IoT-Sensoren, die den Gesundheitszustand der Bienen ständig überwachen und Behandlungen am Bienenstock reduzieren. Mit dieser Technologie kann der Imker die Bienensterblichkeit um 20 Prozent verringern und die Honigproduktion um 30 Prozent optimieren. Der sogenannte „BioScan“ ist ein automatisches System zum Zählen der Fauna, das künstliche Intelligenz zur Erkennung von Tierarten einsetzt.

Die Technologie „Terra“ hingegen ist ein neuronales Netzwerksystem, das in Zusammenarbeit mit der ESA die biologische Vielfalt der Vegetation in drei europäischen Staaten analysiert. Satellitenbilder untersuchen und analysieren dabei die Daten und erstellen mittels IoT-Technologien Blühkarten. Diese helfen den Imkern zu verstehen, in welcher Region und zu welchem Zeitpunkt die Blüte stattfindet.  Ziel dieser Technologien ist die Erhaltung der Biodiversität in ganz Europa. Seit der Gründung hat 3Bee ein Netzwerk von über 5.000 Imkern, Landwirten und Unternehmen aufgebaut. Das Projekt „Pollinate the Planet“ hat bereits 10.000 Hektar geschützt, überwacht und regeneriert und über 150 Millionen Bienen und mehr beobachtet. 

Bienenpate werden und Gutes tun

Rund 3.000 Imker sind derzeit im Netzwerk des Startups, die die Überwachungssysteme nutzen. Darüber hinaus hat 3Bee die Initiative „Adopt a Beehive“ ins Leben gerufen. Privatpersonen und Unternehmen können dabei lokale Imker unterstützen, mehr über die Welt der Bienen erfahren und von Hand hergestellten und rückverfolgbaren Honig testen. Mehr als 200.000 Paten sind inzwischen davon überzeugt, mit 3Bee Bienen zu schützen. Um die 1.000 CSR-Projekte (Corporate Social Responsibility) wurden vom Unternehmen mit ins Leben gerufen, die dazu beigetragen haben, über 150 Millionen Honigbienen und alle anderen Bestäuber wie Solitärbienen zu schützen. 

Deutschland braucht mehr Bienenretter 

3Bee sucht ein Team aus Business Developern, Marketingspezialisten und Imkermanagern, die nachhaltige Projekte unterstützen möchten, um mit der neuen Bienenstock-Technologie in Deutschland zu starten. Ziel ist es, in jedem Land ein Netzwerk von 20.000 Bienenstockpaten und 100 Imkern aufzubauen und in den nächsten zwei Jahren mehr als 250 CSR-Projekte mit Unternehmen zu entwickeln. Derzeit nutzen bereits mehr als 20 Imker in Deutschland das Überwachungssystem zum Schutz ihrer Bienen. 

Biodiversität am Limit – Wie ein Startup die Artenvielfalt mittels KI schützen will

Autor:

Niccolò Calandri hat 2017 das Agrartechnologie-Startup 3Bee zusammen mit Riccardo Balzaretti gegründet. Er absolvierte einen Bachelor in Biomedizintechnik und einen Master-Abschluss in Elektrotechnik. Später promovierte er in Elektronik und Quanten Photonen. 

Mehr Informationen finden Sie unter https://www.3bee.com/de/

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

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