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Sonntag, November 27, 2022

Die Zukunft von Meetings liegt abseits von Büro und Bildschirm

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Ein Startup aus St. Gallen entwickelt die „Feeting“-App, die Meetings unabhängiger von Bildschirm, Schreibtisch und Sitzungszimmer macht – und dazu auch noch kreativer, gesünder und effektiver.

„Hey Feeting: Tom sendet den Entwurf bis Donnerstag an das Team“, sagt Lucia Burtscher in ihre Kopfhörer. Die Kühe ringsum heben kurz die Köpfe, während sie an ihnen vorbeispaziert. In den morgendlichen „Dailies“ bespricht sie mit ihrem Team die Aufgaben des Tages und den Projektstand – nur tut sie das nicht zuhause oder im Büro vor dem Bildschirm, sondern hier mitten in der Natur beim Morgenspaziergang. Möglich ist das durch die neue „Feeting“-App. Lucia Burtscher und Tom Suter haben sie mit ihrem Startup Talent Maps mit Sitz in St. Gallen während der Corona-Pandemie entwickelt.

Wenn Lucia Burtscher von ihrem Spaziergang zurück ist, hat sie also schon gearbeitet: „Und ich starte mit viel Energie und Klarheit in den Tag“, sagt sie.

Könnte so die Zukunft des Arbeitens und Meetens Besprechens aussehen? Definitiv, wenn es nach Lucia Burtscher und Tom Suter geht. „Die Arbeitswelt ist im Wandel – wir arbeiten von zu Hause oder in Gemeinschaftsbüros oder von unterwegs und teilen unsere Zeit zunehmend selbst ein,“, sagt Lucia Burtscher. Nur eines hat sich nicht geändert: „Wir arbeiten trotz allem Wandel immer noch im klassischen Rahmen des 20. Jahrhunderts: am Schreibtisch, vor dem Bildschirm. Durch die starke Zunahme an virtuellen Meetings sind wir sogar mehr denn je daran gefesselt“, sagt Lucia Burtscher.

Virtuelle Meetings: ungesund und ineffizient

Studien zeigen, dass stundenlanges Sitzen langfristig ähnlich schädlich für den Körper ist wie Rauchen. Hinzu kommen Ermüdung, Konzentrationsstörungen, Ablenkungen und chronischer Stress durch pausenlose Bildschirmarbeit. „Online-Meetings laufen ineffizient und zeitraubend ab. Das hemmt nicht nur die Kreativität, sondern auch die Produktivität“, sagt Mitgründer Tom Suter. Das bestätigt auch eine Studie der Universitäten Columbia und Stanford (https://www.nature.com/articles/s41586-022-04643-y).

Während der Lockdowns kamen immer mehr Menschen auf die Idee, persönliche oder telefonische Besprechungen beim Spazieren zu führen. Mit positivem Effekt auf ihre Gesundheit: Laut Studien führt Bewegung an der frischen Luft zu mehr Fokus, mehr Kreativität und einem sinkenden Cortisolspiegel. Die Idee, sich beim Spazieren zu besprechen, ist auch nicht neu. Aristoteles hielt seine Dialoge mit Schülern im Spazieren ab und Barack Obama liess sich vom mitnotierenden Sekretär auf seinen Spaziermeetings GEHsprächen begleiten.

Virtuell sich beim Spazieren zu besprechen, birgt allerdings klare Nachteile: „Auf den Telefon- Bildschirm zu starren, lenkt zu sehr ab und beim Telefonieren kann man schlecht Aufgaben verteilen und Notizen machen“, sagt Lucia Burtscher. Das Team tüftelte also an einer Möglichkeit, Meetings nicht nur an die frische Luft zu bringen, sondern dank digitaler Werkzeuge auch effektiver und nützlicher zu gestalten: „Wir wollen die hybride Meetingkultur des 21. Jahrhunderts von Bildschirm und Schreibtisch befreien“, sagt Lucia Burtscher.

Wie telefonieren – nur deutlich smarter

Das Ergebnis ist „Feeting“, eine Audio-only App, mit bester Sprachqualität. „Diese ist unter den extremsten Bedingungen getestet: sozusagen ‚wind- und wetterfest’“, so Lucia Burtscher. Feeting zeichnet das Meeting auf Wunsch auf und ermöglicht Notizen via Sprachbefehl „Hey Feeting“, die dann in Text umgewandelt via Mail zugestellt werden. „Selbst langatmige Gespräche werden so mit den wesentlichen Ergebnissen auf den Punkt gebracht“, sagt Tom Suter.

Zudem können die Feeting-Teilnehmenden während des Gesprächs in der App “Lesezeichen“ setzen und diese Stellen in der aufgezeichneten Datei nach der Besprechung nochmals nachhören und nachlesen.

Mit knapp 3000 Benutzenden und einer Zunahme von Teilnehmenden um 43 Prozent von Woche zu Woche ist das St.Galler Team überzeugt, damit einen Nerv getroffen zu haben. Unternehmen wie beispielsweise WeddyPlace.com aus Berlin nutzen „Feeting“ für interne Abstimmungsbesprechungen: „Seit ich Feetings mache, fühle ich mich den ganzen Tag lang aktiviert. Ich hatte frische Luft, Bewegung und ein konzentriertes Gespräch“, erzählt Geschäftsführerin Pauline Koehler. „Ich habe immer schon gern im Laufen telefoniert. Da mir die App aber automatisch Notizen ermöglicht, muss ich nun nicht mehr immer in der Nähe meines Notizbuchs bleiben.“

Lucia Burtscher und ihre Kollegen schwärmen sogar an ihrem donnerstäglichen Bürotag in St. Gallen zu gemeinsamen Feetings in der Stadt aus: „Wir treffen einander natürlich immer wieder, die Stadt ist nicht so gross. Dann winken wir uns zu und feeten weiter“, lacht sie.

Das Team hat mit „Feeting“ noch viel vor, um nicht nur Meetings, sondern auch die generelle Arbeitskultur unabhängiger von Bildschirm und Schreibtisch zu machen: Weitere Produktideen sind in Planung.

Quelle Feeting By Talent Maps AG

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