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Montag, Dezember 5, 2022

Es reicht: Wieso verteufeln wir immer noch die Selbstständigkeit?

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Der UNITEDNETWORKER akribisch recherchierte Informationen über Gründer und Startups. Neben Porträts junger Unternehmer und erfolgreicher Startups und deren Erfahrungen liegt der Fokus auf KnowHow von A bis Z sowohl für Gründer, Startups und Interessierte. Wir begleiten, Startups von der Gründungsphase bis zum erfolgreichen Exit.

Ein Jobcenter, das Menschen explizit davon abbringen will, sich selbstständig zu machen. Das auch die Chancen, vor allem aber die Risiken aufgezeigt sehen möchte. Das sich Gastredner wünscht, die von negativen Erfahrungen berichten. Es ist unfassbar – und doch traurige Realität in Kaiserslautern.

Natürlich könnte man meinen, es ist ja nur ein Jobcenter in einer Stadt in Deutschland. Das stimmt – in der Regel wird diese negative Grundhaltung gegenüber Selbstständigkeit und Unternehmertum nämlich nicht so offen zur Schau gestellt. Die Situation ist aber symptomatisch für den Stellenwert, den Selbstständige und Kleinunternehmer:innen hierzulande immer noch haben. 

Selbstständigkeit als blinder Fleck

Soziale Absicherung gibt es kaum. Die COVID-19-Pandemie hat uns dies nur allzu deutlich wieder vor Augen geführt. Es gab im ersten Jahr zwar Soforthilfen, die schnell und unbürokratisch ausgezahlt werden sollten. In einer Umfrage von Lexware im März 2021 wurden sie von Kleinunternehmer:innen allerdings nur mit der Note 4 bewertet. Ein wenig überraschendes Ergebnis, wenn man bedenkt, dass über die Hälfte der Befragten die staatlichen Corona-Hilfen ein Jahr nach Beginn der Pandemie noch gar nicht oder nur teilweise erhalten hatten.

Zudem durften sie nur für weiterlaufende Betriebskosten genutzt werden, etwa die Ladenmiete. Von Lebenshaltungskosten war nicht die Rede, obwohl viele zumindest zeitweise durch Geschäftsschließungen, abgesagte Aufträge oder Events ihren kompletten Lebensunterhalt verloren haben. Zum anderen galt die Bürokratielosigkeit nur bis Ende des Jahres. Dann kamen zahlreichen Selbstständigen Rückforderungen des Bundes in den Briefkasten geflattert.

Gleichzeitig wurden Konzerne wie die Lufthansa von der Bundesregierung mit Hilfen in Milliardenhöhe vor dem Absturz bewahrt, weil sie „too big to fail“ sind. Aber sollte dies nicht auch für die vielen Kleinunternehmer:innen und Selbstständige in diesem Land gelten? Schließlich sind sie das Rückgrat unserer Wirtschaft. Stattdessen wurden sie – wie so oft – größtenteils sich selbst überlassen. Da verwundert es auch nicht, dass die Anzahl der Selbstständigen und Kleinunternehmer:innen in Deutschland seit Jahren nur bei rund vier Millionen liegt. Gerade das erste Corona-Jahr hat eine wahre Delle nach unten verursacht und viele zur Aufgabe ihres beruflichen Traums gezwungen. Wieso interessiert das auf politischer und gesellschaftlicher Ebene scheinbar niemanden?

Dabei brauchen wir dringend mehr und nicht weniger Selbstständige und Kleinunternehmer:innen!

Politik und Gesellschaft sind in der Pflicht

Dass Deutschland moderner werden muss, ist keine neue Forderung, gewinnt aber immer mehr an Dringlichkeit. Wer kann diesen Wandel vorantreiben? Menschen, die starke Ideen haben und sich trauen, diese zu verwirklichen. Die mit Tatendrang vorangehen und sich nicht mit dem Status quo zufriedengeben. Die ihr Herzblut in den Aufbau eines Unternehmens, eines Geschäfts, einer Dienstleistung stecken – also Gründer:innen, Selbstständige, Kleinunternehmer:innen. Sie sind oft innovativer, agiler und kreativer als gestandene Unternehmen. Sie sind flexibler, können auch mal kurzfristig einspringen und neue Chancen aufzeigen und nutzen. Sie packen an und arbeiten sicherlich mehr als manch leitender Angestellte – aber auch, weil sie es schlicht müssen, um ihre Existenz zu sichern. 

Warum also unterstützen wir sie nicht besser? Indem wir die soziale Absicherung etwa im Krankheitsfall oder bei einer Schwangerschaft ausbauen und unser Zwei-Klassen-Gesundheitssystem überdenken, damit ein solches Lebensereignis nicht zur Notlage wird. Indem wir Bürokratie abbauen und die Förderung guter Ideen ausbauen. Indem wir aufklären und transparent aufzeigen, wo und in welcher Form Unterstützung angeboten wird. Aber auch indem wir den Gestaltungswillen und Unternehmergeist junger Menschen schon in den Schulen stärken, damit sie ihre Ideen und Träume verwirklichen können.

Inspirieren statt Angst schüren

Und statt der vom Kaiserslauterner Jobcenter gewünschten Negativerfahrungen brauchen wir inspirierende Erfolgsgeschichten. Geschichten, die Mut zur Selbstständigkeit machen und zeigen, welchen Impact Selbstständige und Kleinunternehmen für Wirtschaft und Gesellschaft leisten: wie das Purpose-Unternehmen WEtell, das die Mobilfunkbranche mit nachhaltigen und fairen Handytarifen herausfordert. Oder die Gründer der Suchmaschine gexsi, die mit jedem Klick Geld für Projekte mit Sinn generiert. Oder der DJ und weltgrößte Händler seltener Art-Cover-Schallplatten. Denn schon heute gelingt vielen der Schritt in die Selbstständigkeit.

Es wäre fatal, wenn wir unsere Selbstständigen und Kleinunternehmer:innen und ihre Bedürfnisse weiterhin ignorieren. Sie tragen nicht nur einen entscheidenden Anteil zur Bruttowertschöpfung bei, sie machen vor allem die Vielfalt und Lebendigkeit unserer Wirtschaft und Gesellschaft aus.

Bild: Christian Steiger

Quelle Hotwire PR Germany GmbH für Lexware

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