Inhaltsverzeichnis
- Silke Aichhorn: Die Harfen-Solistin, die ihr Instrument immer wieder neu erfindet
- Kontrolle statt Leichtigkeit
- Mehr als nur eine Harfenistin
- Immer auf der Suche nach neuen Kompositionen
- Warum sie sich bewusst für die Solokarriere entschied
- Vom Chiemgau bis auf die großen Bühnen der Welt
- Wie alles begann
- Von Lehrerinnen und Lebenslektionen
- Mehr Hochleistungssport als Elfendasein
- Leidenschaft für den musikalischen Nachwuchs
- Die Harfe als Lebensform
- Musik, die nachklingt
Silke Aichhorn: Die Harfen-Solistin, die ihr Instrument immer wieder neu erfindet
Silke Aichhorn gehört zu den außergewöhnlichsten Harfen-Solistinnen der Welt. Kaum eine Harfenistin hat das Repertoire ihres Instruments so konsequent erweitert wie sie. Ein Porträt über Disziplin, Leidenschaft und den Mut, immer neue Wege zu gehen.
Ihre Harfe klingt nicht einfach – sie entfaltet sich. Wenn die Fingerspitzen von Silke Aichhorn die Saiten berühren, breitet sich der Ton aus. Ein Aufblühen von Schwingung. Scheinbar mühelos wie ein Sonnenstrahl, der über eine Wasseroberfläche gleitet. Stets mit feinem Nachhall, wie bei einer Erinnerung. Und überraschend, weil diese Virtuosität kaum jemand erwartet hat. Mal füllt sie den Raum mit Freude, mal mit Dramatik, Spritzigkeit, Besinnlichkeit oder Lebenslust. Im Klassik-Stil genauso wie swingend oder jazzig. Silke Aichhorn ist Harfen-Solistin. Sie gilt als eine der weltweit aktivsten – mit beeindruckend vielfältigem Repertoire.
Die musikalische Magie, die in Silke Aichhorns Konzerten entsteht, ist nicht zufällig so einzigartig verzaubernd. Sie hat diese lange vorbereitet – über Jahre, über Entscheidungen, über Disziplin und noch größere Leidenschaft für eines der ältesten Instrumente der Menschheit. Denn eine Harfe zu spielen, wie sie es kann, ist hart und unbequem.
Kontrolle statt Leichtigkeit
Äußerlich wirkt ihre Konzertharfe wie ein Möbelstück. 185 Zentimeter hoch, 40 Kilogramm aus Holz, Metall und 47 Saiten. Es mag wie eine romantische Versenkung in die Schönheit der Musik wirken, wenn Silke Aichhorn sie zupft. Doch das Bild kippt, sobald man mehr über ihr Harfenspiel erfährt.
Was vielleicht erst auf den dritten oder vierten Blick auffällt: Die Füße arbeiten. Die Pedale an der Unterseite des Instruments sind im stetigen Auf und Ab. Der Rücken verdreht sich. Die Augen suchen ständig. „Harfe spielt man nicht intuitiv. Es gibt nur Kontrolle“, präzisiert Silke Aichhorn. „Man muss üben wie ein Wolf!“
Mehr als nur eine Harfenistin
Groß gewachsen, von schlanker Figur und mit langem, brünettem Haar mag sie dem Klischee der attraktiven Harfenistin tatsächlich entsprechen. Obendrein ist sie unglaublich bodenständig, an- wie zupackend und enorm humorvoll.
Zu jedem ihrer Konzerte fährt Silke Aichhorn – oft über Hunderte von Kilometern – ihr Instrument selbst mit dem Auto. Den Humor schätzt vor allem ihr Publikum, wenn sie ihre Solo-Auftritte unterhaltsam moderiert und ihre Erlebnisse mit der Harfe amüsant erzählt. Unter dem Titel „Lebenslänglich Frohlocken“ hat sie bereits zwei Bücher veröffentlicht, ein drittes ist in Arbeit.
Immer auf der Suche nach neuen Kompositionen
Silke Aichhorns Diskografie umfasst mittlerweile 34 CDs, zwei Bücher und mehr als 400 Videos auf YouTube – ein Alleinstellungsmerkmal in der internationalen Harfenszene.
Anfang des Jahres startete sie außerdem die „Harpchallenge“ auf Social Media: 365 Tage lang veröffentlicht sie täglich ein neues Harfenstück.
Bekannte Komponisten wie Johannes Brahms, Robert Schumann, Franz Schubert oder Joseph Haydn schrieben keine Werke für die Harfe. Deshalb transkribiert Silke Aichhorn Werke anderer Instrumente selbst für ihr Instrument und erweitert damit kontinuierlich dessen Repertoire.
Warum sie sich bewusst für die Solokarriere entschied
Für Silke Aichhorn war es nie eine Option, dauerhaft in einem Orchester zu spielen.
„Ich will nicht lange warten. Ich will spielen“, sagt sie. „Und ich wollte immer nur Solo-Künstlerin sein.“
Diese Entscheidung führte sie unter anderem zu einem Privatkonzert für Papst Benedikt XVI. im Vatikan sowie zu mehreren Uraufführungen beim Weltharfenkongress.
Vom Chiemgau bis auf die großen Bühnen der Welt
Hongkong, Brasilien, Japan oder Australien – Silke Aichhorn ist auf den bedeutendsten Bühnen und Harfenkongressen der Welt zu Hause.
Ein besonderer Moment war das Privatkonzert für Papst Benedikt XVI. in den Vatikanischen Gärten. Gemeinsam mit ihrem Lieblingsflötisten Prof. Dejan Gavric spielte sie vor beeindruckender Kulisse. Als Geschenk brachte sie Weißwürste aus ihrer Heimat Traunstein mit.
Wie alles begann
Mit zehn Jahren äußerte Silke Aichhorn erstmals den Wunsch, Harfe zu spielen. Zwei Jahre später erhielt sie ihr erstes Instrument zu Weihnachten.
Ihre Lehrerin Professorin Ursula Lentrodt erkannte schon nach wenigen Unterrichtsstunden ihr außergewöhnliches Talent und sagte voraus: „Du wirst mal eine Harfenistin.“
Von Lehrerinnen und Lebenslektionen
Nach ihrer Schulzeit studierte Silke Aichhorn am Conservatoire de Lausanne in der Schweiz bei Chantal Mathieu. Ihren Lebensunterhalt finanzierte sie selbst – unter anderem als Verkäuferin beim Bäcker, bei der Obsternte und durch zahlreiche Konzerte.
Besonders prägend war die Entscheidung ihrer Professorin, ihr das Harfenspiel komplett neu beizubringen – Finger für Finger, Technik für Technik. Rückblickend bezeichnet Silke Aichhorn diese anspruchsvolle Zeit als Grundlage ihrer gesamten künstlerischen Laufbahn.
Mehr Hochleistungssport als Elfendasein
Wer einer Harfenistin zusieht, denkt oft an Leichtigkeit. Tatsächlich steckt dahinter Hochleistungssport.
Bis zu 1,5 Tonnen Zugspannung wirken auf ihrem Instrument. Gespielt wird mit acht Fingern, während der linke Fuß über einen sogenannten Pageflip sogar das Umblättern der Noten auf dem iPad übernimmt.
Leidenschaft für den musikalischen Nachwuchs
Seit ihrem 15. Lebensjahr unterrichtet Silke Aichhorn Kinder und Jugendliche.
Sie war unter anderem am Landeskonservatorium Feldkirch sowie an der Hochschule für Musik Mainz tätig. Außerdem engagiert sie sich als Geschäftsführerin des Regionalwettbewerbs „Jugend musiziert“ in Südostbayern.
Für ihr Engagement wurde sie als „Kultur- und Kreativpilotin“ der Bundesregierung ausgezeichnet.
Die Harfe als Lebensform
Eine Konzertharfe hält bei Silke Aichhorn aufgrund der intensiven Nutzung durchschnittlich nur sieben bis acht Jahre.
Heute spielt sie auf einem Instrument der renommierten US-Manufaktur Lyon & Healy Harps. Jede Harfe sucht sie persönlich aus – denn erst beim Spielen entscheidet sich für sie, ob das Instrument wirklich zu ihr passt.
Musik, die nachklingt
„Gehen Sie in ein Live-Konzert und tun Sie etwas für Ihre Gesundheit.“
Mit diesem Satz verabschiedet sich Silke Aichhorn häufig von ihrem Publikum. Studien zeigen, dass beim Erleben von Livemusik Oxytocin ausgeschüttet wird – ein Hormon, das Vertrauen stärkt, Stress reduziert und soziale Bindungen fördert.
Eine Botschaft, die nachhallt. Genau wie die Klänge ihrer Harfe, die nie abrupt enden, sondern lange im Raum verweilen.
Bild Silke Aichhorn Fotograf Sven-Kristian Wolf
Quelle SOCIETY RELATIONS & Communications












