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Freitag, Juli 1, 2022

Das Übermorgen gestalten: So entsteht Höchstleistung im Unternehmen

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Anne M. Schüller
Anne M. Schüller
Anne M. Schüller ist Managementdenker, Keynote-Speaker, mehrfach preisgekrönte Bestsellerautorin und Businesscoach. Die Diplom-Betriebswirtin gilt als Europas führende Expertin für das Loyalitäts- und Empfehlungsmarketing sowie für das Touchpoint Management. Sie zählt zu den gefragtesten Referenten im deutschsprachigen Raum. 2015 wurde sie in die Hall of Fame der German Speakers Association aufgenommen. Zu ihrem Kundenkreis zählt die Elite der Wirtschaft.

Neudenkern, Pionieren und Übermorgengestaltern sind Wertschätzung, Zuspruch, Anschluss und Verbundenheit ungemein wichtig, weil sie im Unternehmen oft so viel Gegenwind haben. Anerkennung katapultiert ihre Leistung voll nach oben.

Menschen, die Bewährtes in Frage stellen und Neues erdenken, haben es nicht immer ganz leicht. Ihren Ideen weht oft eine steife Brise entgegen. Denn die, die kühnes, forsches, neues wollen, sind so manchen im Unternehmen ein Graus. Verlustaversion, Besitzstandswahrung und Trägheit sind weit verbreitet. Als Neudenker muss man das aushalten können – und bereit sein, sich aus der Geborgenheit der Gruppe zu lösen. 

Doch genau das ist ein Dilemma. Denn Menschen sind Herdentiere. Bei uns dreht sich alles um das Leben in einem Verbund. Die Akzeptanz einer schützenden Gemeinschaft ist für uns fundamental. Ausgestoßen zu sein – auch durch Mobbing – ist das Schlimmste, was uns passieren kann. Die unglücklichsten Menschen sind diejenigen, von denen niemand etwas will, die nicht gefragt sind und nicht gebraucht werden. 

Wer sich zurückgelassen fühlt oder den Anschluss verliert, gerät schnell in die Panikzone. Denn den Letzten beißen die Hunde. Hingegen gibt es uns Sicherheit und Geborgenheit, ein geachtetes Mitglied einer Gemeinschaft zu sein. Früher hing unser Leben davon ab. Die Chance, ohne den Schutz einer Gruppe zu überleben, war damals äußerst gering. So zählt soziale Isolation zu den grausamsten Strafen. 

Menschen brauchen Zuwendung, Anschluss und Verbundenheit

Zuneigung und Verbundenheit ist allen Menschen überaus wichtig, besonders aber den Freigeistern, Game Changern und Innovatoren, weil sie oft ausgegrenzt werden. Ein körpereigener Botenstoff namens Oxytocin spielt dabei eine entscheidende Rolle. Als Kuschelhormon bezeichnet, stärkt Oxytocin unser Glückspotenzial. Es ist neurochemischer Balsam für die Seele. Es wirkt entspannend und gesundheitsfördernd. 

Oxytocin wird immer dann verstärkt ausgeschüttet, wenn es zu einer Begegnung kommt, die feste Bindungen einleiten soll. Es erhöht die Bereitschaft, Vertrauen zu schenken. Gleichzeitig stabilisiert es die Beziehungen, die zu seiner Ausschüttung geführt haben. Es belohnt positive soziale Kontakte und Geselligkeit. Das wiederum erklärt, weshalb in manchen Firmen das Zusammengehörigkeitsgefühl so irre hoch ist.

Jeder mag die Zugehörigkeit zu einer Gruppe Gleichgesinnter

Natürlich sind wir Individualisten. Doch in uns steckt auch das tiefe Bedürfnis nach Zugehörigkeit zu einer Gruppe Gleichgesinnter. Die Sippen und Stammesverbände von früher, das sind die Netzwerke und Online-Communitys von heute. Sie werden überall da zum Sicherheitsnetz, wo herkömmliche Sicherheitsnetze versagen. Die „Strong Ties“, zu denen traditionelle Familienverbünde, öffentliche Institutionen und lebenslange Anstellungen einst gehörten, sind obsolet. 

An ihre Stelle sind die „Weak Ties“, die lockeren Bande der losen Verbindungen getreten. Im Kreis der Peers, der Gleichgesinnten, der intakten Beziehungen im beruflichen, nachbarschaftlichen und privaten Bereich finden wir Sicherheit, Halt und eine neue Heimat. Insofern ist es unglaublich wichtig, Neudenker nicht auszugrenzen, sondern immer wieder darauf hinzuweisen und auch sichtbar zu zeigen, wie wertvoll sie für das Vorankommen eines Unternehmens sind.

Wertschätzung und Anerkennung: Turbo für kühne Pioniere 

„Kern aller menschlichen Motivation ist es, zwischenmenschliche Anerkennung, Wertschätzung, Zuwendung oder Zuneigung zu finden und zu geben“, schreibt der Neurobiologe Joachim Bauer in seinem großartigen Buch Prinzip Menschlichkeit. Berufliche und persönliche Wertschätzung, gegenseitiger Respekt und situative Aufmerksamkeit sind maßgebliche Treiber für Engagement und Spitzenperformance. 

Wertschätzung ist somit eine unserer stärksten Motivatoren. Sie sorgt für eine Stärkung des Selbstwertgefühls und für Arbeitsfreude. Anerkennung, um die Begriffe sauber zu trennen, ist an eine erkennbare Leistung gebunden, würdigt also Bemühen, Sachkenntnis, Expertise, Verdienste, Ergebnisse, Erfolge. Bei Anerkennung geht es um das Tun und die Sache, bei Wertschätzung primär um das „So-Sein“ des Menschen.

Zuspruch pusht wie eine Ladung Sauerstoff Leistung nach oben

Obwohl Wertschätzung nicht zwingend an eine Leistungserbringung gebunden ist, steigert sie dennoch die Leistungsbereitschaft erheblich. Sie drückt sich auf vielfältige Weise aus: durch einen aufrichtigen Dank, einen freundlichen Augenkontakt, ungeteilte Aufmerksamkeit, ein interessiertes Hinhören, ein wohlwollendes Kopfnicken, ein anteilnehmendes Lächeln, eine ehrliche Entschuldigung, eine wissbegierige Frage, ein neidloses Lob, Entgegenkommen und auch Verständnis für eine besondere Lage. 

Das Gegenteil solcher Aufmerksamkeit? Einschüchterung, Entwürdigung, Missachtung, manipulative Lobhudelei, als Tadel formulierte Hinweise und verbal oder nonverbal gezeigte Verachtung. All dies erstickt jedes Wollen im Keim. Durch Tadel macht man die Menschen klein. Durch Wertschätzung hingegen macht man sie groß. Selbst der Größte fühlt sich mies, wenn er nicht die Zuwendung Dritter erhält. Wertschätzung hingegen katapultiert, wie eine Ladung Sauerstoff, unsere Leistung voll nach oben. 

Wertschätzung und Anerkennung brauchen die richtige Dosis

Einen Noch-nicht-Könner lobt man für alles Neue, das ihm gelingt, einen Vollprofi jedoch nicht für Kleinigkeiten, sondern für Heldentaten. Wenn also ein Mitarbeitender zum ersten Mal mutig eine unkonventionelle Idee vorträgt, wird das gewürdigt. Wenn die ersten Veränderungen sichtbar werden, wird das belobigt. Und wenn ein Projekt erfolgreich abgeschlossen wurde, wird das gefeiert. Die Menschen verstärken Verhalten, für das sie Aufmerksamkeit und aufrichtige Anerkennung erhalten. 

Und noch eins ist wichtig: Feedback sofort! Zügige und stimmige Rückmeldungen sind im unternehmerischen Alltag elementar – und für die übermorgengestaltende junge Generation unumgänglich. Denn sie hat sich an unmittelbares Feedback gewöhnt. Jedes „Like“ im Social Web ist wie ein virtuelles Schulterklopfen. Auch bei Online-Games wird man für vollbrachte Spielleistungen postwendend belohnt: mit Status-Upgrades, Fortschrittsbalken, Spielgeld und Bonuspunkten. Das macht uns süchtig nach mehr.

Das neue Buch der Autorin 

Anne M. Schüller: Bahn frei für Übermorgengestalter

Gabal Verlag 2022, 216 S., 24,90 €, ISBN 978-3967390933

Das Buch zeigt 25 rasch umsetzbare Initiativen und weit über 100 Aktionsbeispiele, um zu einem Überflieger der Wirtschaft zu werden. Kompakt und sehr unterhaltsam veranschaulicht es jedem, der helfen will, eine bessere Zukunft zu gestalten, die maßgeblichen Vorgehensweisen in drei Bereichen: Wie machen wir die Menschen stärker, das Zusammenarbeiten besser und die Innovationskraft im Unternehmen größer.

Titelbild pixabay

Weitere Beiträge von Anne M. Schüller finden Sie hier

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

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