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Gegen Hitzestress: Die Klimaanlage zum Anziehen

Interview mit Gabriele Renner, Gründerin und Geschäftsführerin von E.COOLINE, Gewinnerin des Deutschen Nachhaltigkeitspreises

Steigende Temperaturen werden zunehmend zum Gesundheits- und Wirtschaftsfaktor und werden zu einer echten „Gradwanderung“ für Unternehmen und Beschäftigte. Bei vielen Tätigkeiten ist Abkühlung gefragt. Abhilfe verspricht unter anderem Kühlkleidung. Gabriele Renner von E.COOLINE erklärt im Interview, was es mit der „Klimaanlage zum Anziehen“ auf sich hat.

Aus Sommerfeeling kann schnell Hitzestress werden. Gleichzeitig leiden vulnerable Gruppen wie ältere Menschen oder chronisch Erkrankte besonders stark unter hohen Temperaturen. Dabei ist Hitzeschutz längst nicht mehr nur ein Gesundheitsthema. Eine aktuelle Prognos-Studie im Auftrag des Bundesarbeitsministeriums berechnet, dass bereits ein einzelner Hitzetag in Deutschland wirtschaftliche Schäden von rund 431 Mio. Euro verursacht. Bis Mitte des Jahrhunderts könnten die jährlichen Kosten auf mehrere Milliarden Euro steigen. Während die Produktivität sinkt, steigen gleichzeitig Unfallzahlen und krankheitsbedingte Ausfälle deutlich an. Hier könnte Kühlkleidung ein Baustein im künftigen Arbeitsschutz spielen. Wie das funktioniert und welche Vorteile Kühltextilien liefern, erklärt Gabriele Renner.

Hitze wird zunehmend zur Belastung für viele Beschäftigte – insbesondere für Menschen, die draußen oder unter hoher körperlicher Belastung arbeiten. Welche Risiken entstehen daraus?

Gabriele Renner: Hitze führt zu gesundheitlichen und wirtschaftlichen Risiken. Viele unterschätzen, wie stark hohe Temperaturen den Körper belasten. Betroffen sind unter anderem Gehirn, Herz, Nieren oder das Verdauungssystem. Es kann zu Entzündungsreaktionen, Kreislaufproblemen oder im Extremfall zu einem Hitzschlag kommen. Steigt die Körperkerntemperatur über 40 °C, beginnen irreversible Prozesse im Körper. Gleichzeitig sinken Konzentration und Leistungsfähigkeit deutlich.

Studien zeigen inzwischen auch erhebliche wirtschaftliche Folgen.

Gabriele Renner: Ja, Hitze ist ein stiller Produktivitätskiller. Viele Beschäftigte arbeiten weiter, aber langsamer und erschöpfter. Genau das zeigt auch die aktuelle BMAS-Studie: Rund 97 % der wirtschaftlichen Schäden entstehen durch Produktivitätsverluste und nicht durch direkte Ausfälle. Besonders betroffen sind Branchen wie Bau, Landwirtschaft, Industrie oder Logistik.

Bild: E.COOLINE Technologie

Wie Kühlkleidung funktioniert

Um Beschäftigte besser zu schützen, kommen zunehmend Kühltextilien zum Einsatz. Welche Technologien gibt es?

Gabriele Renner: Grundsätzlich gibt es verschiedene Systeme. Klassisch sind Westen mit Kühlpacks oder PCM-Elementen aus dem Kühlschrank. Die kühlen zwar stark, aber meist nur relativ kurz. Außerdem entsteht ein höherer logistischer Aufwand. Daneben gibt es Systeme mit integrierten Ventilatoren, die Luft zirkulieren lassen. Am weitesten verbreitet sind inzwischen jedoch Lösungen mit Verdunstungskühlung wie beispielsweise bei unserer E.COOLINE 3D-Cool-SX3-Technologie. Dabei wird Wasser im Material gespeichert. Durch die Verdunstung entsteht eine spürbare Kühlung von etwa 16 bis 20 Grad. Das funktioniert ganz ohne Strom, ist schnell mit Wasser aktivierbar und überall mobil einsetzbar.

Außerdem ist es nachhaltiger, da keine Energie verbraucht wird, und auch physiologisch gesünder: Es liegt kein Eis direkt auf der Haut, und bei Ventilatoren wird kein Staub oder Schmutz angesaugt. Ein weiterer Vorteil ist die längere Kühlzeit von mehreren Stunden, während Eis nur für kurze Zeit wirksam bleibt.

Wo kommen solche Systeme bereits zum Einsatz?

Gabriele Renner: Vor allem überall dort, wo sich Hitze nicht technisch vermeiden lässt: auf Baustellen, in Stahlwerken, Gießereien, der Landwirtschaft oder Logistik. Aber auch Krankenhäuser, Labore oder die Automobilindustrie setzen solche Lösungen zunehmend ein.

Warum Kühlung die Leistungsfähigkeit steigert

Kühlkleidung wird inzwischen auch im Sport genutzt. Warum?

Gabriele Renner: Weil Schwitzen den Körper enorm viel Energie kostet. Der Körper versucht permanent, seine Temperatur stabil zu halten. Dafür wird Blut in die Haut geleitet, um Wärme abzugeben. Dieses Blut fehlt dann aber in Muskeln oder Organen. Deshalb fühlen wir uns bei Hitze oft erschöpft oder unkonzentriert.

Durch Vorkühlung kann der Körper Energie sparen. Sportler schwitzen später oder weniger stark und haben dadurch mehr Leistungsreserven. Gleichzeitig verbessert Kühlung die Regeneration nach Belastung, etwa weil sich Laktat schneller abbaut und sich Mikroverletzungen in der Muskulatur schneller erholen.

Das dürfte auch für Beschäftigte interessant sein.

Gabriele Renner: Absolut. Gerade bei körperlich belastenden Tätigkeiten merken viele Beschäftigte sehr schnell einen Unterschied. Wer abends nicht völlig erschöpft ist, hat schlicht mehr Lebensqualität. Viele berichten, dass sie nach der Arbeit wieder Energie für Familie oder Freizeit haben.

Welche Rolle spielt Kühlkleidung künftig im Arbeitsschutz?

Gabriele Renner: Sie ist eine Ergänzung, bietet jedoch keinen Ersatz für andere Maßnahmen. Unternehmen müssen immer zuerst technische und organisatorische Lösungen prüfen. Aber Kühlkleidung kann helfen, Belastungen deutlich zu reduzieren. Beispielsweise könnten Räume weniger stark klimatisiert werden, was wiederum Energie spart und flexiblere Möglichkeiten bietet. Denn nicht jeder Mensch ist gleich stark belastet und leidet unter der hohen Temperatur.

Auch organisatorisch entsteht mehr Flexibilität. Beschäftigte bleiben länger leistungsfähig und konzentriert. Das reduziert Fehler, Erschöpfung und möglicherweise auch Krankheitsausfälle.

Wie wird die Technik von Beschäftigten angenommen?

Gabriele Renner: Unterschiedlich. Gerade ältere Beschäftigte reagieren oft skeptisch nach dem Motto: „Das haben wir immer schon so gemacht.“ Jüngere Mitarbeitende sind meist deutlich offener. Entscheidend ist der Tragekomfort. Moderne Verdunstungstextilien sind heute deutlich leichter und angenehmer zu tragen als frühere Systeme.

Interessant ist: Wer die Kleidung einmal im Arbeitsalltag getestet hat, will sie oft nicht mehr abgeben. Viele merken schon nach wenigen Tagen, dass sie körperlich weniger ausgelaugt sind.

Weitere Informationen finden Sie hier

Bild Gründerinnen und Geschäftsführerinnen von pervormance international: Sabine Stein und Gabriele Renner

Quelle SPApress

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