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Makejew sieht keine Chance für Verhandlungslösung mit Russland

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Frontverlauf in der Ukraine (Archiv), über dts NachrichtenagenturBerlin (dts Nachrichtenagentur) – Der ukrainische Botschafter in Deutschland, Oleksij Makejew, sieht aktuell keine Chance für einen Verhandlungsfrieden mit Russland. „Dieser Frieden muss erkämpft werden und Russland muss besiegt werden, sonst gibt es keinen Frieden“, sagte Makejew der „Rheinischen Post“ und dem Bonner „General-Anzeiger“ (Dienstag).

Russland könne den Krieg schnell beenden, indem es alle seine Truppen aus den besetzten Gebieten zurückziehe – inklusive von der Krim. Russland wolle das aber nicht, deswegen brauche sein Land Unterstützung. „Es ist auch im Interesse der freien Welt, dass Kriegsverbrecher zur Rechenschaft gezogen werden, ebenso die Staatsführung, die die Befehle zu diesen Verbrechen gegeben hat. Russland muss für die Zerstörung auch finanziell bezahlen – nicht europäische oder deutsche Steuerzahler, sondern russische Steuerzahler.“

Zugleich äußerte sich Makejew skeptisch zu einer Rolle des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan als möglichem Vermittler zwischen der Ukraine und Russland. „Wir brauchen keine Vermittler. Wir brauchen Verbündete. Das ist für uns wichtig, um diesen Krieg zu gewinnen.“

Präsident Wolodymyr Selenskyj habe einen sehr guten Draht zum türkischen Präsidenten, der Putin demnächst zu einem Besuch erwarte. „Wir werden sehen, was dabei herauskommt. Die Türkei ist ein wichtiger Schwarzmeer-Anrainer“.


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Kanzleramt setzt weiter auf Rohrpostsystem

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Bundeskanzleramt (Archiv), über dts NachrichtenagenturBerlin (dts Nachrichtenagentur) – Trotz E-Mails und anderer moderner Kommunikationsmittel setzt das Kanzleramt auch unter Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) weiter auf ein Rohrpostsystem. „Die Rohrpostanlage im Bundeskanzleramt ist seit Inbetriebnahme uneingeschränkt in Nutzung: Pro Monat werden damit circa 1.000 Sendungen bewegt“, sagte eine Regierungssprecherin der „Rheinischen Post“ (Dienstag).

Dabei handele es sich in der Regel um eilige Vorgänge, „die nicht elektronisch oder per Hausbotendienst weitergeleitet werden können. Für Wartung und Inspektion der Anlage werden circa rund 10.000 Euro im Quartal erforderlich.“ Wie die Zeitung weiter berichtet, hat die Zahl der versendeten Papiere im Vergleich zur Kanzlerschaft von Angela Merkel (CDU) offenbar abgenommen. So wurden etwa im Jahr 2019 noch rund 2.400 Sendungen pro Monat per Rohrpost im Amt verschickt, wie aus einer älteren Anfrage an die Bundesregierung hervorgeht.


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Philologenverband fordert Rückkehr zu Staatsexamen

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Klassenraum in einer Schule (Archiv), über dts NachrichtenagenturBerlin (dts Nachrichtenagentur) – Angesichts des fortschreitenden Lehrkräftemangels und der hohen Abbruchraten im Studium hat der Deutsche Philologenverband eine Rückkehr zum Staatsexamen für das Lehramt in allen Bundesländern gefordert. „Wir brauchen ein Lehramtsstudium, das tatsächlich zielgerichtet auf diesen Beruf hinführt und genau das passiert im Staatsexamen“, sagte die Vorsitzende des Verbands, Susanne Lin-Klitzing den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Dienstagausgaben).

Im Bachelor-Master-System sei es hingegen nicht mehr das Ziel, sich von Anfang an auf einen Beruf festzulegen, sondern zu schauen, was man sonst noch machen könne. Das führe dazu, dass weniger Studierende beim Lehramt bleiben würden. „Ich halte das für eine grundlegende Fehlorientierung“, sagte Lin-Klitzing. Hintergrund ist, dass eine Mehrheit der Bundesländer das Lehramtsstudium mittlerweile vom Staatsexamen auf das Bachelor-Master-System umgestellt hat. Lin-Klitzing sprach sich zudem für eine Rückkehr zum zweijährigen Referendariat in allen Bundesländern aus. „Wenn Studierende mitbekommen, dass die anschließende Praxisphase, das Referendariat, zunehmend gekürzt wird, dann ist das abschreckend“, sagte Lin-Klitzing. Das mache am Ende den Beruf unattraktiver. Zudem werde ein möglicher „Realitätsschock“ im Referendariat durch die Kürzungen noch verstärkt, weil die zukünftigen Lehrkräfte auch in der kürzeren Zeit genauso viel leisten müssten, so die Philologenverbands-Vorsitzende. „Von daher wäre es mein Wunsch, dass das Referendariat wieder in seiner Bedeutsamkeit gesehen wird und es eine Entwicklung in Richtung eines zweijährigen Referendariats gibt.“ Die Dauer des Referendariats unterscheidet sich je nach Bundesland, in den meisten Ländern sind es aktuell 18 Monate. Dieser Forderung schloss sich auch der Deutsche Lehrerverband an. „Das Referendariat ist für die Ausbildung von Lehrkräften extrem wichtig. Diese Zeit wegzunehmen oder zu kürzen, halte ich für sehr problematisch“, sagte der Präsident des Verbands, Stefan Düll, den Zeitung der Funke-Mediengruppe.

„Meiner Meinung nach braucht es in jedem Fall die vollen zwei Jahre mit der entsprechenden Begleitung, um die zukünftigen Lehrkräfte vollumfänglich auf den Beruf vorzubereiten“, so Düll. Um den Beruf wieder attraktiver zu machen, brauche es außerdem unter anderem mehr Aufstiegsmöglichkeiten, so Düll. „Das ist nicht in jedem Bundesland und in jeder Schulart gegeben. Außerdem brauchen wir an allen Schulen wirklich gute Arbeitsbedingungen, und auch das ist eben nicht immer der Fall.“


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Thüringens Innenminister will AfD stärker inhaltlich stellen

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Logo vor AfD-Parteitag am 28.07.2023, über dts NachrichtenagenturErfurt (dts Nachrichtenagentur) – Thüringens Innenminister Georg Maier (SPD) hat nach der Europawahlversammlung der AfD gefordert, die Partei stärker inhaltlich zu stellen. „Die AfD hat sich in Magdeburg teilweise in einen Rausch geredet und Anleihen bei nationalsozialistischer Sprache genommen“, sagte er dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“ (Dienstagsausgabe).

„Das ist entlarvend und muss einen mit Sorge erfüllen.“ Maier fügte hinzu: „Wir sollten allerdings ein stärkeres Gewicht auf die inhaltlichen Fragen legen als bisher. Wenn der EU-Binnenmarkt abgeschafft würde und es wieder Zölle gäbe, dann wäre das Teufelszeug für die Thüringer Wirtschaft.“ Denn diese sei international tätig: „Ohne die EU wäre Thüringen nicht das, was es heute ist. Außerdem findet ein massiver Wettbewerb um ausländische Fachkräfte statt. Auch an der Stelle verbauen wir uns die Zukunft, wenn wir der AfD folgen.“ Es gebe folglich genug Ansatzpunkte, um der AfD inhaltlich zu begegnen, so Maier.


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US-Börsen legen zu – Öl-Preis steigt weiter

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Wallstreet, über dts NachrichtenagenturNew York (dts Nachrichtenagentur) – Die US-Börsen haben zum Wochenbeginn zugelegt. Nach einem durchwachsenen Tag schafften es die drei wichtigsten Indizes kurz vor Handelsende mit einem Sprung in den grünen Bereich.

Zu Handelsende in New York wurde der Dow mit 35.560 Punkten berechnet, ein Plus in Höhe von 0,3 Prozent im Vergleich zum vorherigen Handelstag. Wenige Minuten zuvor war der breiter gefasste S&P 500 mit rund 4.589 Punkten 0,2 Prozent im Plus, die Technologiebörse Nasdaq berechnete den Nasdaq 100 zu diesem Zeitpunkt mit rund 15.757 Punkten 0,1 Prozent stärker. Der Ölpreis hat unterdessen weiter zugelegt und liegt mit rund 85 Dollar so hoch wie seit gut drei Monaten nicht mehr. „Das bevorstehende Ende des dramatischsten geldpolitischen Straffungszyklus der Federal Reserve seit den frühen 1980er-Jahren treibt die Aktienkurse weiter nach oben“, kommentierte Analyst Konstantin Oldenburger das Marktgeschehen.

„Ließ die Tonlage des Fed-Chefs Powell nach der jüngsten Sitzung noch Raum für eine weitere Zinserhöhung, sehen die Anleger nach den Inflationszahlen vom Freitag den Zinsgipfel bereits erreicht. Die Inflation scheint besiegt und der Markt erwartet schon in absehbarer Zeit wieder eine schnelle Lockerung der geldpolitischen Bedingungen.“ Die europäische Gemeinschaftswährung tendierte am Montagabend etwas schwächer. Ein Euro kostete 1,0995 US-Dollar (-0,20 Prozent), ein Dollar war dementsprechend für 0,9095 Euro zu haben.

Der Ölpreis stieg unterdessen: Ein Fass der Nordsee-Sorte Brent kostete am Montagabend gegen 21 Uhr deutscher Zeit 85,56 US-Dollar, das waren 57 Cent oder 0,7 Prozent mehr als am Schluss des vorherigen Handelstags.


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Kritik an erneuter Koran-Verbrennung in Stockholm

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Stockholm (Archiv), über dts NachrichtenagenturStockholm (dts Nachrichtenagentur) – In Stockholm ist am Montag im Rahmen einer Kundgebung erneut ein Koran verbrannt worden, die schwedische Regierung zeigte sich besorgt über die Vorgänge. Diejenigen, die versuchten, die Gesellschaft zu spalten, dürfen damit nicht erfolgreich sein, zitiert die Zeitung „Svenska Dagbladet“ den schwedischen Außenminister Tobias Billström.

Am Nachmittag hatten sich laut Zeitungsbericht zwei Männer vor dem Reichstag in Stockholm eingefunden und den Koran zunächst mit Füßen getreten, bevor sie ihn in Brand steckten. Abbildungen muslimischer Führer seien zu einem späteren Zeitpunkt ebenfalls verunglimpft worden. Es war nicht die erste Aktion dieser Art: In Schweden wie auch in Dänemark war es in den letzten Wochen mehrfach zu ähnlichen Versammlungen gekommen, bei denen der Koran öffentlich verbrannt oder beschädigt wurde. Das schwedische Außenministerium hatte die Aktionen kritisiert.

Die Vorgänge hatten internationale Konsequenzen nach sich gezogen, so hatte der türkische Präsident Erdogan die Geschehnisse verurteilt und eine Nato-Mitgliedschaft Schwedens zunächst blockiert. In Pakistan hatte die Regierung die eigene Bevölkerung zu Protesten aufgerufen. Vor einer Woche hatten schließlich Demonstranten die schwedische Botschaft in der irakischen Hauptstadt Bagdad gestürmt, um gegen eine weitere angekündigte Koran-Verbrennung zu protestieren. Auch Gebäude dänischer Hilfsorganisationen waren attackiert worden.

In Dänemark und in Schweden diskutiert die Öffentlichkeit seit den Vorgängen über mögliche Grenzen der Meinungs- und Versammlungsfreiheit. Viele schwedische Bürger sehen die Verbrennungen als unnötige Provokation zum Nachteil ihres Landes und wünschen sich ein Verbot solcher Aktionen. Andere sehen die Verbrennungen als legitim ausgeübte Religionskritik im Rahmen der Meinungsfreiheit. Dänemark hat angekündigt, ein Verbot von Koran-Verbrennungen im Rahmen von Versammlungen zu prüfen.


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IS bekennt sich zu Bombenanschlag in Pakistan

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Pakistan (Archiv), über dts NachrichtenagenturIslamabad (dts Nachrichtenagentur) – Der sogenannte Islamische Staat hat sich zu einem Bombenanschlag im Nordwesten Pakistans bekannt. Demnach hat ein Selbstmordattentäter der Dschihadisten am Sonntag einen Sprengsatz inmitten einer Menschenmenge in der Stadt Khar gezündet, berichten pakistanische Medien unter der Berufung auf den Nachrichtenkanal der Terrormiliz.

Bei der Explosion, die demnach einer Veranstaltung der konservativ-islamischen Partei JUI-F galt, seien mindestens 54 Menschen getötet und weitere 80 verletzt worden. In Pakistan kommt es immer wieder zu verheerenden Bombenanschlägen. Der IS hatte bereits zuvor mehrfach Vertreter der JUI-F angegriffen. Zum Ende des Jahres stehen in Pakistan Neuwahlen an.

Im Mai hatte es in Teilen des Landes politische Unruhen rund um die Inhaftierung des Ex-Premierministers Imran Khan gegeben. Dieser war zunächst vom Parlament abgesetzt und später durch paramilitärische Kräfte verhaftet worden. Der Oberste Gerichtshof hatte seine Verhaftung nach wenigen Tagen für rechtswidrig erklärt und ihn entlassen. Anhänger Khans hatten sich heftige Auseinandersetzungen mit Sicherheitskräften geliefert.


Foto: Pakistan (Archiv), über dts Nachrichtenagentur

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VPI-Inflation im Dienstleistungssektor fällt stärker als erwartet aus – nächste EZB-Zinserhöhung im September – Märkte wetten dagegen

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Foto von Tomasz Wieladek (Quelle: T. Rowe Price)

Die Daten zur Inflation und zum BIP-Wachstum im Euroraum deuten darauf hin, dass die EZB im September eine Zinserhöhung vornehmen wird, doch die Finanzmärkte rechnen weiterhin mit einer Pause.

Kommentar von Tomasz Wieladek, Chefvolkswirt für Europa bei T. Rowe Price

Letzte Woche bestätigte die EZB, dass sie ihre weiteren Entscheidung vollständig nach der Datenlage abhängig macht. Heute Morgen wurden zwei wichtige Daten veröffentlicht, die den Märkten weitere Hinweise darauf geben, was im September geschehen könnte.
Das BIP der Eurozone wuchs im 2. Quartal um 0,3 %, und die technische Rezession zu Beginn des Jahres wurde revidiert. Das BIP-Wachstum im Euroraum lag im zweiten Quartal bei 0,3 %.

Dies liegt über den Konsenserwartungen, obwohl einige Wachstumsdaten bereits am Freitag veröffentlicht wurden. Trotz dieses unerwartet guten Ergebnisses gibt es jedoch Anzeichen für eine Schwäche der Binnennachfrage. Frankreich verzeichnete im zweiten Quartal zwar ein Wachstum von 0,5 %, doch wurde dies durch die gestiegenen Exporte getragen, welche die schwache Inlandsnachfrage mehr als ausglichen. Italiens Wirtschaft schrumpfte im 2. Quartal aufgrund der schwachen Inlandsnachfrage um 0,3 %.

Und die deutsche Wirtschaft stagnierte. Trotz eindeutiger Anzeichen für eine Abschwächung der Inlandsnachfrage auf Länderebene und damit Anzeichen für das Funktionieren der Geldpolitik überraschte das Wachstum im Euroraum insgesamt positiv. Wichtig ist, dass die technische Rezession des letzten Winters wegrevidiert wurde, so dass die Daten von heute Morgen die EZB dazu veranlassen könnten, der jüngsten Schwäche der Konjunkturumfragen etwas weniger Gewicht beizumessen.

Die Daten zur Kerninflation des Euroraums überraschten heute Morgen den Konsens nach oben, obwohl am vergangenen Freitag die Daten für die einzelnen Länder (Deutschland, Frankreich und Spanien) vorlagen. Während die Gesamtinflation im Juli von 5,5 % auf 5,3 % zurückging, blieb die Kerninflation, die für die EZB von Bedeutung ist, im Juli bei 5,5 % und damit auf dem gleichen Wert wie im Juni. Wichtig ist, dass die Dienstleistungsinflation im Juli auf 5,6 % im Jahresvergleich stieg, gegenüber 5,4 % im Juni.

Die monatliche Dynamik der Dienstleistungsinflation stieg von 0,4 % im Juni auf 0,6 % im Juli. Auf Monatsbasis stieg die auf das Jahr hochgerechnete Inflationsrate im Dienstleistungssektor also von 4,8 % im Juni auf 7,2 % im Juli. Es besteht kein Zweifel daran, dass ein Teil dieser Widerstandsfähigkeit der VPI-Inflationsdaten von heute Morgen auf statistische Effekte, wie z. B. Änderungen der Gewichte, zurückzuführen ist.

Es wird jedoch sehr schwer sein, dies von einem Anstieg der Dienstleistungsinflation zu unterscheiden, der auf wirtschaftliche Faktoren zurückzuführen ist. Wir glauben, dass eine vorsichtige EZB den wirtschaftlichen Erklärungen für den jüngsten Anstieg der VPI-Inflation im Dienstleistungssektor mehr Gewicht beimessen wird

Diese Daten sprechen eindeutig für eine datenabhängige EZB, die im September eine weitere Zinserhöhung vornehmen wird. Obwohl sich die Binnennachfragekomponente des Wachstums deutlich abgeschwächt hat, war das Wachstum im Euroraum im zweiten Quartal insgesamt immer noch stärker als erwartet. Wichtig ist, dass sich das revidierte EA-BIP-Wachstum im letzten Winter als deutlich stärker erwiesen hat, als die Konjunkturumfragen im letzten Winter vermuten ließen.

Dies bedeutet, dass die EZB bei ihrer Einschätzung, ob die EZ im dritten Quartal 2023 in eine Rezession eintritt, der jüngsten Schwäche der Konjunkturumfragen wahrscheinlich weniger Gewicht beimessen wird. Die Daten, die der EZB am meisten am Herzen liegen, sind eindeutig die Inflation. Die VPI-Inflation im Dienstleistungssektor, auf die die EZB am meisten Wert legt, fiel sowohl im Jahres- als auch im Monatsvergleich stärker aus als erwartet.

Am 31. August werden weitere Inflationsdaten veröffentlicht, am 8. August die EZB-Umfrage zu den Inflationserwartungen der Verbraucher und im August die verhandelten Löhne im Euroraum, alles im Vorfeld der September-Sitzung. Sofern diese Daten nicht viel schwächer ausfallen als erwartet, bin ich der Meinung, dass die EZB aufgrund der heutigen Daten eindeutig zu einer Zinserhöhung im September raten wird.

Interessanterweise haben die Finanzmärkte nicht wie erwartet auf diese Daten reagiert. Die Geldmärkte schätzen die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im September nur auf 33 %. Die Rendite 2-jähriger Bundesanleihen hat den anfänglichen Ausverkauf wieder wettgemacht. Und die Reaktion des Euro war gering.

Obwohl alle bisherigen Daten auf eine Zinserhöhung der EZB hindeuten, wetten die Finanzmärkte immer noch darauf, dass die EZB im September keine Zinserhöhung vornehmen wird. Vielleicht sind mehr Daten erforderlich, um die Finanzmärkte zu überzeugen, aber die Märkte reagieren oft nur langsam auf Daten, insbesondere im Sommer. Ich halte daher eine Neubewertung im Vorfeld der EZB-Entscheidung im September für plausibel.

VPI-Inflation im Dienstleistungssektor fällt stärker als erwartet aus – nächste EZB-Zinserhöhung im September – Märkte wetten dagegen

Foto von Tomasz Wieladek (Quelle: T. Rowe Price)

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Dax lässt nach – Neue zwischenzeitliche Bestmarke

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Frankfurter Börse, über dts NachrichtenagenturFrankfurt/Main (dts Nachrichtenagentur) – Zum Wochenstart hat der Dax nach einem schwachen Start zum Mittag zugelegt, seine Gewinne zum Abend jedoch wieder eingebüßt. Zum Xetra-Handelsschluss wurde der Index mit 16.447 Punkten berechnet, ein Minus in Höhe von 0,1 Prozent im Vergleich zum vorherigen Handelstag.

Nachdem der Dax bereits am Freitag ein zwischenzeitliches Rekordhoch erreicht hatte, wurde dieses heute erneut übertroffen: Die Bestmarke liegt nun bei 16.528 Punkten. „Die Inflation scheint besiegt und der Markt erwartet schon in absehbarer Zeit wieder eine schnelle Lockerung der geldpolitischen Bedingungen“, sagte Analyst Konstantin Oldenburger von CMC Markets. „Das bedeutet aber auch, dass die Börse irgendwann in den kommenden Monaten erneut das Thema der Rezession in den Mund nehmen könnte, obwohl derzeit wenig darauf hindeutet. So ist die Börse.“

Die wichtigsten Themen seien nicht das, was gewesen ist, sondern das, was kommen könnte, so Oldenburger. „Trotz aller Euphorie ist es für eine vollständige Entwarnung an der Inflationsfront noch zu früh.“ Die größten Gewinne gab es bei Rheinmetall. Die größten Verluste gab es bei Siemens Energy.


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Missbrauchsbeauftragte kritisiert evangelische Kirche

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Evangelische Kirche (Archiv), über dts NachrichtenagenturBerlin (dts Nachrichtenagentur) – Die Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Kerstin Claus, hält die Aufklärungsversuche der evangelischen Kirche in Fällen des sexuellen Missbrauchs für ungenügend. „Noch immer gibt es auch regional Regelungen, wonach Betroffene, die Anerkennungszahlungen beantragen, nicht nur die Taten plausibel machen, sondern auch das institutionelle Versagen nachweisen sollen“, sagte sie der „Rheinischen Post“ (Dienstag).

„Das muss dringend geändert werden.“ Auch gebe es nach ihren Worten bis heute in der evangelischen Kirche keine unabhängige Struktur der Anerkennung, die losgelöst von der Institution sei. „Hier kann die evangelische Kirche also einiges von der katholischen Kirche lernen, die nicht zuletzt aufgrund des hohen öffentlichen Drucks und des großen Engagements von Betroffenen ein so umfassendes System entwickelt hat. Derzeit gibt es jedenfalls keine andere institutionelle Struktur, die in Ansätzen das erreicht hat, was für Betroffene in der katholischen Kirche möglich wurde, auch wenn es selbst hier einen klaren Weiterentwicklungsbedarf gibt“, so Claus.

Doch auch der katholischen Kirche attestierte sie institutionelles Versagen, wie es sich am Beispiel der Missbrauchsaufklärung im Erzbistum Köln gezeigt habe. So gebe es Gründe dafür, warum ein Betroffenenbeirat in Köln nicht funktionsfähig arbeiten konnte. Das Versagen von Kirche zeige sich immer da besonders, wenn sie Ansätze ihrer Aufklärungsversuche nicht systematisch fundiert aufstellt. „Das Motto scheint viel zu oft zu sein: Ja, wir haben hier eine Krise und darauf brauchen wir eine schnelle Antwort. Doch die schnelle Antwort war in Köln eben keine schnelle und erst recht keine gute Lösung, die auch trägt. Und genau das konnte man in Köln sehr gut beobachten.“

Die Frage sei immer: „Will es eine Institution wirklich wissen, will sie Taten wirklich aufklären und in die Aufarbeitung gehen? Ein solcher Prozess geht nie schnell, es ist ein Prozess, der transparent und unter Einbeziehung vieler Menschen und vor allem der Betroffenen stattfinden muss. Wenn es dann aber wieder verschlossene Türen gibt, wieder Fragen zu Gutachten nicht abgestimmt sind und eine Kirchenleitung im Amt ist, die sich in Widersprüche verstrickt, dann ist das wenig hilfreich für eine erfolgreiche Aufarbeitung“, sagte Claus der Zeitung.

Nach Einschätzungen von Experten lebten in Deutschland heute sieben bis neun Millionen Menschen, die als Kind Missbrauch erlebt haben. Das sind sieben bis neun Millionen. Eine riesige Gruppe also, die trotz aller Debatten vielfältig unsichtbar bleibe. „Das hat mit Opfer-Stigmatisierung zu tun, mit gesellschaftlicher Hilflosigkeit und dass wir noch keine klaren Begriffe haben, was sexuelle Gewalt ist. Das sind alles Gründe, warum die Betroffenheit von so vielen Menschen bis heute nicht sichtbar ist.“

Ihrer Einschätzung nach komme das ganze Ausmaß der sexualisierten Gewalt an Kindern und Jugendlichen in der Gesellschaft noch immer zu langsam an: „Noch viel zu oft wollen wir nicht sehen, dass sexuelle Gewalt gerade in unserem direkten Umfeld stattfinden könnte.“ Die gelernte Journalistin ist Mitglied von Bündnis 90/Die Grünen und wurde im März 2022 zur Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs (UBSKM) berufen.


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