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Der sogenannte „Großmütter-Tourismus“ steht für einen wachsenden Wunsch nach authentischen, persönlichen Reiseerlebnissen.
Berlin, Mai 2026 – Weg von klassischen Sightseeing-Listen, hin zu echten Begegnungen: Reisen verändert sich spürbar. Immer mehr Menschen suchen im Urlaub nach Erlebnissen, die von älteren Gastgebern geprägt sind. Von Menschen, die ihr Wissen, ihre Techniken und Traditionen über viele Jahre hinweg aufgebaut und weitergegeben haben. Das zeigt ein aktueller Report von GetYourGuide, einem der weltweit führenden Marktplätze für Reiseerlebnisse.
Die Zahlen sprechen für sich: 76 % der Reisenden würden ein Erlebnis, das von älteren Guides angeboten wird, buchen, 69 % bevorzugen es sogar, im Urlaub von älteren Menschen zu lernen statt von jüngeren Generationen. Parallel dazu boomt der Trend zu analogen Hobbys – 96 % der Befragten gehen zu Hause regelmäßig Aktivitäten wie Kochen, Gärtnern oder Handwerken nach.
Vom Social-Media-Phänomen zum Buchungstreiber
Was unter dem Schlagwort #grandmacore auf Social Media begann, hat sich längst in konkretes Reiseverhalten übersetzt. Statt klassischer Touren stehen zunehmend Formate im Mittelpunkt, bei denen persönliche Weitergabe und Erfahrung eine Rolle spielen – etwa beim gemeinsamen Kochen, Handwerk oder beim Erzählen von Lebensgeschichten.
In Rom etwa kocht die 68-jährige Rosella mit Reisenden frische Pasta von Hand. Dabei geht es nicht nur ums Kochen, sondern um gemeinsames Arbeiten und Austausch in der Küche. „Wenn die Gäste ankommen, sind sie oft noch etwas schüchtern. Aber wenn sie gehen, umarmen sie mich“, sagt Rosella und beschreibt damit die Nähe, die während der Kurse entsteht.
In Paris vermittelt die 63-jährige Catherine französisches Pâtisserie-Handwerk. Über ihre Macaron- und Éclair-Kursen sagt sie: „Ich wollte den Menschen eine wunderbare Erinnerung an Paris geben. Nichts Gekauftes, sondern eine Fähigkeit, ein kleines Stück Pariser Tradition, das sie mit nach Hause nehmen können.“
Auch die Buchungszahlen bestätigen den Wandel: Workshops und Kurse sind bei GetYourGuide zwischen 2023 und 2025 um mehr als 250 % gewachsen – deutlich schneller als klassische Sehenswürdigkeiten. Erlebnisse mit älteren Guides legten im selben Zeitraum um 50 % zu.
„Reisen bedeutet heute mehr, als nur Sehenswürdigkeiten abzuhaken. Es geht darum, einen Ort durch die Menschen zu verstehen, die ihn prägen“, sagt Johannes Reck, Mitgründer von GetYourGuide. „In einer immer digitaleren Welt suchen viele bewusst nach Momenten, die entschleunigen und echte Verbindungen schaffen.“
Deutschland: Lernen durch Praxis und Erfahrung
Ein Blick auf den deutschen Markt zeigt: Besonders stark ist hier der Wunsch, Dinge selbst zu tun und praktisch zu lernen. 67 % der Deutschen wollen handwerkliche Fähigkeiten aktiv erlernen, insbesondere dann, wenn sie von Menschen vermittelt werden, die diese über viele Jahre hinweg entwickelt haben. Auch analoge Gewohnheiten sind hier besonders ausgeprägt: 61 % schreiben noch Postkarten oder Briefe, 62 % beschäftigen sich regelmäßig mit Rätseln wie Sudoku oder Kreuzworträtseln. Deutschland zählt damit zu den praktisch orientiertesten Märkten im internationalen Vergleich.
Viele dieser Entwicklungen hängen mit einem übergeordneten Bedürfnis zusammen: Ruhe, Konzentration und das Lernen im persönlichen Austausch. 67 % nutzen analoge Aktivitäten gezielt zum Abschalten, fast die Hälfte verbindet sie mit weniger Stress. Gleichzeitig gewinnen Erlebnisse, bei denen Wissen direkt von erfahrenen Menschen weitergegeben wird, bei der Reiseplanung an Bedeutung – ähnlich wichtig wie Bewertungen oder Empfehlungen.
Erfurt: Stadtgeschichte mit Gudrun Ahr
Wie stark persönliche Perspektiven und Erfahrung geschätzt werden, zeigt ein Beispiel aus Erfurt. Die 90-jährige Gudrun Ahr begann erst nach ihrer Pensionierung mit Stadtführungen. Die ehemalige Bio- und Chemielehrerin lebt seit 1958 in Erfurt und vermittelte ihre Stadt mehr als 20 Jahre lang mit großer persönlicher Nähe, inzwischen jedoch nur noch für Familie, Bekannte und Freunde. „Jede Tour ist anders“, sagt sie. „Ich stelle mich gern auf meine Gäste ein.“ Besonders gern zeigt sie ihnen die Architektur der Stadt, denn in Erfurt liegen unterschiedliche Epochen oft nur wenige Schritte auseinander.
Renaissance, Gotik, Jugendstil und Bauhaus treffen hier direkt aufeinander und machen Stadtgeschichte auf engem Raum sichtbar. Für Ahr ist genau das der Reiz: der Kontakt zu Menschen, die Abwechslung und die Möglichkeit, ihre Stadt immer wieder neu zu zeigen. „Viele meiner Gäste sind deutlich jünger als ich“, sagt sie. „Aber ich habe die Stadt über so viele Jahrzehnte erlebt – das interessiert sie. Ich kann erzählen, wie sich Erfurt verändert hat, von der Nachkriegszeit über die DDR bis heute. Das hält mich auch fit, ich bin viel in Bewegung und stelle mich jedes Mal auf andere Menschen ein – eine Familie mit Kindern führt man ganz anders als eine Gruppe Professoren.“
Hinweise zur Studie und zur Stichprobe
Die Ergebnisse basieren auf einer im Februar 2026 von GetYouGuide initiierten Toluna-Umfrage unter mehr als 8.000 Reisenden in Frankreich, Deutschland, Großbritannien und den USA. Die Studie untersucht insbesondere persönliche Motive und Reisepräferenzen sowie die Ausübung von Hobbys. Ergänzend dazu wurden interne Buchungsdaten von GetYourGuide ausgewertet, die die weltweite Entwicklung zwischen 2023 und 2025 abbilden, darunter das Wachstum von Workshops und Kursen sowie die Nachfrage nach Erlebnissen mit älteren Gastgebern und Guides.
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Bild: Rome – Pasta Class with Italian Grandmother and Wine Tasting Bildcredits GetYourGuide
Quelle Christine Veauthier Freelance PR Managerin


















