Inhaltsverzeichnis
- Aktuelle Zahlen aus Baden-Württemberg zeigen ein deutliches Ungleichgewicht
- Warum gehen gerade Männer im Straßenverkehr häufiger Risiken ein?
- Hohe Unfallzahlen: Mehr als nur eine Frage der Kilometer
- Die Mutter in der Vorbildrolle
- Es geht nicht ums Geschlecht, es geht um Verhalten
- Hintergrundinformationen
Aktuelle Zahlen aus Baden-Württemberg zeigen ein deutliches Ungleichgewicht
Besonders bei Alkohol, Geschwindigkeit und riskanten Fahrmanövern sind Männer überproportional beteiligt. Das wirft Fragen nach Risikoverhalten und gezielter Prävention auf.
Feiertage, lange Wochenenden, warme Abende. Für viele beginnt jetzt die Zeit, in der man unterwegs ist, Freunde trifft, rausgeht. Gleichzeitig zeigt sich auf den Straßen jedes Jahr das gleiche Muster: Mit der Stimmung steigt auch das Risiko. Mehr Verkehr, mehr Tempo, mehr Alkohol – und am Ende mehr schwere Unfälle.
Die Zahlen dahinter sind klar und unbequem zugleich. 68 Prozent aller Unfälle mit Personenschaden werden von Männern verursacht. Besonders häufig geht es dabei um Geschwindigkeit sowie Alkohol und Drogen. Allerdings sind sie auch als Betroffene bei tödlich verunglückten Verkehrsteilnehmenden mit rund 70 Prozent trauriger Erster. Das wirft eine Frage auf, die über die reine Statistik hinausgeht.
Warum gehen gerade Männer im Straßenverkehr häufiger Risiken ein?
Expertinnen und Experten sehen einen Zusammenhang mit typischen Verhaltensmustern. Das Auto ist für viele mehr als nur ein Fortbewegungsmittel. Es steht für Kontrolle, für Status, manchmal auch für den Wunsch, sich zu beweisen. Schneller fahren, später bremsen, noch schnell überholen – Entscheidungen, die sich für einen Moment richtig anfühlen, sich dann aber als zu riskant herausstellen. Verkehrsminister Winfried Hermann sagt: „Es geht nicht darum, jemanden an den Pranger zu stellen. Aber wir müssen ehrlich über Risikoverhalten sprechen, vor allem das der Männer. Egal wann und wo: Jeder muss sich verantwortungsvoll im Straßenverkehr verhalten und auf andere achten.“
Hohe Unfallzahlen: Mehr als nur eine Frage der Kilometer
Ein häufiger Einwand lautet, dass Männer mehr fahren und deshalb auch häufiger in Unfälle verwickelt sind. Tatsächlich legen sie im Durchschnitt laut der aktuellen Studie „Mobilität in Deutschland“ mehr Kilometer pro Tag zurück als Frauen. Das Verhältnis liegt bei etwa 60 zu 40. Gleichzeitig spiegelt sich das nicht in den Unfallzahlen wider, die eher bei 70 zu 30 liegen. Auch der Anteil der Frauen mit Führerschein liegt mit rund 45 Prozent fast auf Augenhöhe. Entscheidend ist zudem die Schwere der Unfälle. Bei tausend Unfällen, die von Pkw-Fahrerinnen verursacht wurden, kommen im Schnitt sechs Menschen ums Leben. Bei tausend Unfällen, die von Pkw-Fahrern verursacht wurden, sind es dagegen zwölf. Dass Männer mehr Kilometer zurücklegen, ist also kein Grund für den immensen Unterschied in der Unfallstatistik.
Die Mutter in der Vorbildrolle
Einen bewussten Impuls setzt hier die aktuelle Verkehrssicherheitskampagne „Team Vision Zero“ des Verkehrsministeriums Baden-Württemberg. Mit zugespitzten Botschaften wie „Deine Mutter fährt besser als du“ oder „Deine Mutter kriegt jede Kurve“ soll ein Perspektivwechsel angestoßen werden.
Hinter den Sprüchen steckt eine einfache Idee: Umsichtiges, vorausschauendes Fahren ist keine Schwäche, sondern Stärke. Frauen und insbesondere Mütter dienen dabei als Beispiel, weil sie statistisch seltener schwere Unfälle verursachen. Begleitet wird die Kampagne von landesweiten Maßnahmen: Ein auffällig gestalteter Kampagnen-Van tourt durch Baden-Württemberg, Brückenbanner und Social-Media-Formate sorgen zusätzlich für Aufmerksamkeit und regen zur Auseinandersetzung mit dem eigenen Verhalten an.
Es geht nicht ums Geschlecht, es geht um Verhalten
Moderator Marvin Endres aus Stuttgart ist seit diesem Jahr Mitglied im Team Vision Zero. Er beschreibt es so: „Viele wollen cool sein, dazugehören oder Eindruck machen. Genau da kippt es oft. Umso wichtiger ist es, sich das eigene Verhalten immer wieder vor Augen zu führen.“
Gerade rund um Feiertage kommen mehrere Faktoren zusammen. Gruppendynamik, Alkohol und das Gefühl, „alles im Griff zu haben“. Viele riskante Situationen entstehen aus Leichtsinn, aus dem Moment heraus. Dabei ist die Alternative oft einfacher, als man glaubt: Vor dem Feiern klären, wer fährt, Tempo rausnehmen, das Handy weglegen. Kleine Entscheidungen, die am Ende große Wirkung haben.
Baden-Württemberg verfolgt mit dem Team Vision Zero ein klares Ziel: Null Schwerverletzte, null Tote im Straßenverkehr. Jeder vermiedene Unfall zählt. Gerade dann, wenn eine gute Feier sonst einen schlimmen Ausgang nimmt. Endres betont: „Hier geht es weniger ums Geschlecht, sondern ums eigene Verhalten. Wer fährt, übernimmt Verantwortung. Für sich selbst und für alle anderen auf der Straße!“
Hintergrundinformationen
Das Land möchte die Anzahl der Verkehrstoten bis 2030 um 60 Prozent im Vergleich zu 2010 reduzieren. Waren es 2010 noch 494 Getötete, konnte die Zahl 2025 auf 367 reduziert werden.
2019 hat das Ministerium für Verkehr Baden-Württemberg seine mehrjährige Verkehrssicherheitskampagne gestartet. Seit 2023 wirbt die Kampagne unter dem Aktionsmotto „Team Vision Zero“ verstärkt bei jungen und alten Menschen. Diese sollen gemeinsam am Ziel von null Verkehrstoten und Schwerverletzten im Straßenverkehr – der Vision Zero – mitarbeiten. Die Kampagne macht auf wichtige Sicherheitsthemen aufmerksam, klärt über Fakten auf und gibt konkrete Tipps für Verhaltensänderungen.
Weitere Informationen zur Kampagne: www.team-vision-zero.de
Bild [Endres_Bauer_Clubtour] Marvin Endres und Lisa Bauer unterstützen das Team Vision Zero bei Clubtouren
Quelle Team Vision Zero Verkehrsministeriums Baden-Württemberg c/o Beaufort 8 GmbH



















